Traurig über Zurückhaltung

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Leserbrief-Schreiber: Elfriede Breitwieser
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Zum Thema Nationaltheater:

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Gestern bekam ich Post. Ich freute mich schon, als ich den Absender NTM las. Die Enttäuschung danach war allerdings groß. Ein lapidares Schreiben der Leiterin Marketing und Kommunikation, anbei zwei belanglose Postkarten im Großformat. Ablage „P“ vorprogrammiert.

Jetzt zeigt sich für mich sehr deutlich, wie falsch die Entscheidung für das Fünf-Intendanten-Modell damals war. Es passiert nicht wirklich etwas, was uns ein wenig besser durch diese lange Pandemie bringt. Das ist schade. Es wäre eine Möglichkeit gewesen, das Stammpublikum zu binden und vielleicht auch neues Publikum zu gewinnen.

Wenn ich alleine an die wirklich gute Umsetzung der Jugend-Oper „Dark Spring“ denke, die ein tolles Projekt auch für Schüler der Oberstufen gewesen wäre. Oder die mehr als gelungene Opernpremiere „Der Barbier von Sevilla“ am 1. November 2020 mit unserem wunderbaren GMD Alex Soddy am Pult! Leider die einzige und letzte Aufführung, die stattfand.

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Alleine diese beiden Opern hätten es verdient, auf Video aufgenommen und über die Website gestreamt zu werden. Wo war unser junges NTM in der Vorweihnachtszeit? Unsere Tanzkompanie? Auch im Schauspiel wäre sicher einiges möglich gewesen. Einzig unsere Musikalische Akademie hat sich etwas einfallen lassen: einen musikalischen Adventskalender mit kleinen Musikstücken.

Aber was hätte da ein gesamtverantwortlicher Intendant daraus machen können! Ich denke ziemlich viel! Wir haben Sänger, die sicher gerne eine Arie beisteuern oder Schauspieler, die auch etwas lesen können, Tänzer, die auch Solos tanzen können, das junge NTM mit Märchenlesungen und so weiter. Man hätte auch neu engagierte Künstler (wie es die Theaterfreunde machen) vorstellen können. Andere Häuser haben da sehr viel mehr Kreativität gezeigt. Komplette Opernaufführungen wurden dargeboten. An manchen Tagen wusste man nicht, was man auswählen soll.

Künstler stehen im Regen

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Dank der Streaming-Möglichkeiten und der Mediatheken in Fernsehen konnte man fast alles sehen, was man wollte. Nur vom NTM war kaum etwas zu finden. Ich denke, unsere tollen Künstler haben das nicht verdient, dass man sie so im Regen stehenlässt. Sie hätten sicher gerne etwas beigesteuert.

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Wohin hat sich bis zum Ende der Schließung dann das Publikum verlaufen, das ja auch noch vier harte Jahre der Renovierung vor sich hat? Wo bleibt die Publikumsbindung? Jedem, dem etwas an unserem NTM liegt, blutet das Herz.

Wir sind traurig und können es nicht verstehen, dass sich das Haus so zurückhält.
Elfriede Breitwieser, Heddesheim