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Stress und Resignation

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Zum Artikel „Gemeindetag wegen Lage in Kitas alarmiert“ vom 24. Februar:

Jeden Morgen mache ich mir auf meinem Weg zum Kindergarten schon Gedanken, was im Bereich der frühkindlichen Bildung in den Kindergärten und Kindertagesstätten momentan alles schiefläuft.

Ich bin Kindheitspädagogin und Mutter von zwei Kindern und kenne daher sowohl die Sicht als Elternteil, als auch die Sicht der im Kindergarten arbeitenden pädagogischen Fachkraft. Die Seite der pädagogischen Fachkräfte wird von den kommunalen Trägern mal wieder komplett ignoriert. Die Personalnot in den Kitas verlangt von den dort arbeitenden Fachkräften alles ab – andere Berufsgruppen würden sich lauthals wehren –, doch wir pädagogischen Fachkräfte sind in diesem Fall schlicht und ergreifend zu sozial.

Der Vorschlag, die Gruppengröße zu erhöhen und den Personalschlüssel herabzusetzen ist eine Frechheit. Übersetzt bedeutet das: mehr Arbeit, schlechtere Rahmenbedingungen für gleiches Gehalt und gleiche „Wertschätzung“ – was würde das in der Industrie für einen Aufschrei hervorrufen? Natürlich können, wie Herr Jäger formuliert, keine Erzieher und Erzieherinnen gebacken werden, aber man kann etwas dafür tun, dass sich junge Leute für diesen Beruf entscheiden.

Natürlich muss hier viel auf politischer Ebene passieren (Finanzen, Strategien zur Umsetzung, höhere Eingruppierung der Fachkräfte), aber auch die Kommunen können sich nicht aus der Verantwortung ziehen – letztendlich sind sie es, die den direkten Kontakt zu den Familien und potenziellen neuen Mitarbeitern haben.

Hier muss das Ziel sein, den Arbeitsplatz für die pädagogischen Fachkräfte so attraktiv wie möglich zu gestalten – denn das ist die beste Werbung, um junge Menschen für die Kitas zu gewinnen. Beim morgendlichen Bringen meiner Tochter sehe ich mich nicht angesprochen, wenn es darum geht, dass ich mich bei dieser Kommune nach meiner Elternzeit bewerben werde.

Ich sehe einen schlecht ausgestatteten Kindergarten, ein unattraktives bis baufälliges Gebäude, in dem die Erzieherinnen noch alles Menschenmögliche aus diesen Rahmenbedingungen rausholen. Und genau daran kann jede Kommune mit der entsprechenden finanziellen Priorisierung etwas ändern.

Ich sehe Erzieherinnen, die einfühlsam auf jedes Kind eingehen, die selbst unter diesen miserablen Arbeitsbedingungen eine gute Eingewöhnung für meine Tochter ermöglichen – aber ich sehe und fühle auch den Stress, die Belastung und auch die Resignation: gegenüber der Politik, aber schlimmer noch gegenüber der Kommune, ihrem direkten Arbeitgeber.

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Von
Daniela Senn
Ort
Kirchheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3Hzo1XC

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