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Stimmen zu Corona

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Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen und ziehen durch die Innenstadt von Koblenz. © thomas Frey/dpa

Zum Thema Corona:

Ich bin kein „Querdenker“, Corona-Leugner oder sonst was; ich bin dreimal geimpft und fordere alle auf, sich doch endlich impfen zu lassen, denn noch ist jeder vierte Deutsche nicht geimpft. Dennoch stößt mir auf, dass die als Spaziergänge getarnten Corona-Proteste entweder von vornherein mit einer Allgemeinverfügung verboten oder, wenn sie dann doch marschieren, als unangemeldete und damit unerlaubte Demonstration von der Polizei auseinandergetrieben werden, während die Anti-Querdenker-Demo ums Rathaus ohne weiteres erlaubt und als Verteidigung unserer Demokratie gefeiert wird. Das geht so nicht!

Das Demonstrationsrecht muss für alle gleich gehandhabt werden. Es darf bei uns keine genehme und nichtgenehme Demonstrationen geben; die einen erlaubt, die andren verbietet man, denn sonst sind wir bald nicht mehr von zum Beispiel Russland zu unterscheiden, wo gerade all die Organisationen und Demonstrationen verboten werden, die dem System nicht passen.

Wer sonst immer die Zivilgesellschaft fordert, den mündigen Bürger fordert, der muss dann auch hinnehmen, wenn der sich nicht in das fügt, was von der Politik gefordert wird- egal wie man zur Sache selbst steht.

Als ich die Überschrift des Kommentars „Mehr Pragmatismus“ las, dachte ich einen Moment, dass es eine neue Sichtweise bei dem Thema Corona gibt. Aber schon nach wenigen Zeilen wurde mir klar, dass es wieder die übliche Sichtweise ist, die sich im Laufe der Corona-Krise bei fast allen Kommentatoren breitgemacht hat. Unter Hinweis auf den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wird genau das heruntergebetet, was wir schon Monate lang in Zeitungen und den Medien zu hören bekommen.

Eine neue Corona-Variante steht vor der Tür und Frau Ball weiß natürlich genau, was jetzt zu tun ist. Wir können uns in der Krise nicht mehr erlauben, alle Mitbürger „mitzunehmen“, aber offensichtlich wohl diejenigen, die sich mit Fragen und Kritik an den Maßnahmen der Regierungen in der Vergangenheit zurückgehalten haben. Für die Kritiker bleibt dann aber zum Glück noch die Möglichkeit, über die Gerichte die dritte Kraft in der Demokratie einzusetzen, um abklären zu lassen, ob alle Maßnahmen gerechtfertigt waren oder sind. Frau Ball weist abschließend offenbar mit Freude darauf hin, dass ja nur ein geringer Prozentsatz mit Klagen erfolgreich war. Zum Glück leben wir nicht in China. Das hat mit mehr Pragmatismus wohl nichts zu tun, sondern ist ein weiterer Versuch, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft weiter voranzutreiben.

Es wird in diesem Kommentar bewusst darauf verzichtet, konkrete und pragmatische Vorgehensweisen zur Bewältigung der Krise vorzuschlagen, die dafür sorgen würden, die vielen Fragen und Unsicherheiten, die nicht nur bei einer Minderheit der Bevölkerung existieren, zu beantworten.

Stattdessen wird vorgeschlagen, einfach „pragmatische“ Lösungen umzusetzen, da man schließlich auf Minderheiten keine Rücksicht mehr nehmen muss. In der heutigen Zeit, in der der Schutz und die Rücksichtnahme auf Minderheiten ein zentrales Thema geworden ist, wohl eher ein abwegiger Vorschlag.

Ich bin nicht in sozialen Netzwerken unterwegs, deshalb kann ich meinen Senf zur „Schande von Landau“ nicht dazugeben. Ich denke nur, dass erstens die Polizei landauf, landab über Monate genug aushält, genau wie die Bürger in den Städten, die sich ja auch nicht mehr frei bewegen können, weil ihnen unter anderem von überall her der Ruf entgegenschallt: Friede, Freiheit, keine Diktatur!

Haben wir Krieg – habe ich was verpasst? Wo sind wir unfrei? Es gibt mit Sicherheit Länder, in denen die Menschen sehr, sehr unfrei sind! Es ist für normale Menschen wie mich lächerlich, wenn man am Fenster steht und das Getöse anschaut. Ich frag mich immer, ob die Leute nichts zu tun und nichts zu arbeiten haben, als andere Menschen zu belästigen.

Und zu dem Vorfall in Landau: Der Herr hätte seine Papiere zeigen müssen und er wäre nicht „zu Boden gebracht worden“. Und wenn dies hier nicht sein Land ist und er Deutschland nicht anerkennt – es zwingt ihn ja niemand, hierzubleiben. Vielleicht geht’s ihm woanders ja besser. Aber ein paar Regeln wird’s schon überall geben. Ich möchte jetzt mal verschont sein von Abendspaziergängen, abgesehen von dem inhaltlichen Mist betreff Impfung, der uns um die Ohren fliegt. Neulich hörte ich, der Impfstoff soll aus Froscheiern von Fröschen aus dem Weltall stammen. Hä? Muss man erst mal draufkommen.

Das Interview mit Sina und Tim aus der Pfalz hat mich erschüttert. Nicht nur, dass es Sina egal ist, dass ihr minderjähriger Sohn eventuell einer eskalierenden Situation ausgesetzt werden könnte, nicht nur, dass sie es für rechtens und vertretbar hält, dass sie gemeinsam mit Rechtsradikalen und gewaltbereiten rechten Extremen auf die Straße zum „spazieren“ geht, nein es ist die in meinen Augen sehr egoistische Einstellung: „Ich entscheide für mich – und nur für mich!“

Gerade als im Schuldienst tätige Person würde ich mehr Gemeinsinn voraussetzen! Sie ist tagtäglich mit Personen/Kindern zusammen, die sich noch nicht schützen können, und ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin selbst im pädagogischen Bereich tätig. Denn Impfen schützt nicht nur einen selbst vor einem schweren Verlauf, sondern trägt, wie mittlerweile hinlänglich bekannt, dazu bei, Varianten, eine Ausbreitung und Überlastung der Infrastruktur zu mindern.

Wir müssen alle in dieser Zeit zusammenstehen und jeder Einzelne muss sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst sein – Egoismus hat hier nichts zu suchen. Dass demokratische Grundrechte nicht eingeschränkt sind, hat der Montagabend mit der Aktion „Uffbasse“ deutlich gezeigt. Zum Abschluss wundert es mich auch nicht, dass sie ihren wahren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte – sollte sie gar verbeamtet im Schuldienst sein, könnten disziplinarische Maßnahmen drohen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Solch einen Kommentar auf der Titelseite zu veröffentlichen ist unseriös und nicht würdig für den „MM“. Es findet keine hoheitliche Aufgabe der Personenkontrolle statt, sondern es ist zu prüfen, ob das Impfdokument zu der berechtigten Person gehört. Wie kann man so etwas behaupten? Wie sonst sollen die Fälscher aussortiert werden? Ohne Identitätskontrolle könnte man mit jedem Impfausweis Zutritt bekommen. Hoheitliche Aufgaben sind dies sicher nicht, wenn man das Impfzertifikat der korrekten Person zuordnen muss. Unqualifizierte Veröffentlichungen gibt es seit Corona genügend. Davon sollte sich der „MM“ distanzieren. Wenn wir jede sinnvolle Maßnahme in Frage stellen, wird Corona nie besiegbar sein.

Kann man wirklich von einer siegreichen Demokratie reden, wenn Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit eingeschränkt beziehungsweise sogar außer Kraft gesetzt sind. Die eine Versammlung wird verboten, da deren Anliegen politisch unbequem ist und gleichzeitig wird eine andere Versammlung genehmigt und gelobt, da sie die derzeitige Coronapolitik unterstützt.

Ist es demokratisch, wenn eine Behörde oder politische Amtsinhaber entscheiden, welche Meinung zulässig ist und welche nicht? Hier wird eine alleinige Deutungshoheit über gut und schlecht, über passend oder unpassend für sich reklamiert. Die gewaltsame Unterdrückung abweichender Meinungen als einen demokratischen Sieg zu verkaufen, ist für mich sehr fragwürdig und macht mir Angst um den Erhalt des Grundgedankens einer freiheitlichen Demokratie. Und von einem Angriff zu reden, klingt sehr martialisch und baut sofort eine Mauer auf.

Demokratie lebt vom Zuhören, von einer sachlichen Diskussion und gegenseitigen Achtung. Dazu gehört endlich auch eine verbale Abrüstung. Auch wenn dies nicht alle Beteiligten praktizieren, ist es doch kein Grund, diese guten Tugenden zu vergessen. Nur einer mus den Anfang machen. Wer könnte dies eigentlich besser als die gewählten politischen Vertreter. Einfach mal persönliche Ressentiment vergessen. Alle sind gleichberechtigte Bürger und der Artikel 1 (1)GG sollte alles Handeln bestimmen.

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