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Stadt nicht abschirmen

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Zum Artikel „Sanierte Altbauten“ vom 3 September:

Nun lässt sich unsere Stadtspitze also vom Wuppertal-Institut beraten. Diesem Haus tut man kein Unrecht, wenn man es als ganz und gar autofeindlich bezeichnet. Hier bestellt man Gutachten, wenn man ein ganz bestimmtes Ergebnis wünscht. Mit wie wenig Verständnis von den Bürgern man da selbst rechnet, zeigt sich schon daran, dass das Handlungsfeld Mobilität, entgegen dem Alphabet, erst an allerletzter Stelle kommt – wohl in der Hoffnung, dass keiner so weit liest. Und innerhalb dieses Feldes an vorletzter Stelle findet sich: „Autoarme Innenstadt“.

Der missglückte Verkehrsversuch sollte ja die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt steigern. Wenn aber mit Fontanella und Herrdegen zwei Spitzen der Aufenthaltsqualität drastische Umsatzrückgänge verzeichnen, dann ist die Aufenthaltsqualität ja offensichtlich gesunken. Der Aufenthalt in der Stadt würde ja eigentlich mit dem Ankommen und Parken beginnen. Wenn man aber für kurze Wege große Umwege zurücklegen muss, wird der künstlich erzeugte Stau in den Quadraten zum mitbestimmenden Teil des Aufenthaltserlebnisses.

Und das bestraft am härtesten die Fahrer von Elektroautos: Sie kämpfen sowieso mit Reichweitenproblemen. Tatsächlich ist von Förderung der Elektroautos keine Rede mehr: Es geht nur noch gegen die „Pkw-Mobilität“. Das Ergebnis kann man in Amsterdam besichtigen: Die Innenstadt ist voll von Klein-Haushalten, für deren Fahrräder der Parkplatz trotzdem nicht reicht.

Höchst bürgerfeindlich

An allerletzter Stelle des letzten Handlungsfeldes liest man: Wirtschaftsverkehre reduzieren, Maßnahme: Tempo 30 auf allen Straßen im Stadtgebiet. Glaubt jemand ernsthaft, eine Apotheke ließe sich weniger Medikamente liefern, weil bei der Anfahrt Tempo 30 gilt? Selbst wenn es nur darum ginge, Verkehr effizienter zu gestalten, so lässt sich durch Tempo 30 statt 50 kaum Kraftstoff einsparen, vor allem, weil das Auto dann in einem niedrigeren Gang fährt.

Aber davon nichts wissen zu wollen, war schon in den 80er Jahren Stolz und Markenkern selbst ernannter Umweltexperten. Und was die Wirtschaftlichkeit angeht, so sind unsere Transportkosten der „letzten Meile“ eindeutig lohngetrieben, das heißt, schneller wäre billiger. Die Zerstörung von Verkehrswegen und Parkplätzen, die mit unseren Steuergeldern geschaffen wurden, ist in höchstem Maße bürgerfeindlich. Eine Stadt, die Oberzentrum ihrer Region ist, darf sich nicht abschirmen, indem sie die Zufahrt zu den Zielen ihrer Besucher und zu den Geschäften, Praxen und Kanzleien ihrer eigenen Steuerzahler erschwert. Andernfalls führt sie ihren Niedergang selbst herbei.

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Ernst Plattner
Ort
Mannheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3Bcv6fv

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