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Schwurbeln über Sprache

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Zum Artikel „Sind Auftrittsverbote etwa gegen Lisa Eckhart gerechtfertigt?“ vom 10. Mai:

Ich möchte der als Überschrift formulierten These von Uwe Rauschelbach noch eins draufsetzen: Wir leben inzwischen wieder in voraufklärerischen Zeiten! Man sieht das nicht nur an der Schar irrlichternder Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner, die die Wissenschaft verteufeln beziehungsweise negieren, sondern auch und vor allem daran, dass sprachliche Kulturtechniken wie Ironie und Satire von immer mehr Menschen nicht mehr verstanden werden.

Die jüngste PISA-Studie scheint diesen Sachverhalt zu belegen, wenn sie inzwischen der Hälfte der Schüler in Deutschland eine mangelnde Lesekompetenz attestiert. Aber es geht ja noch weiter: Die wie Mehltau über der Gesellschaft liegende, weil oft ad absurdum getriebene Political Correctness zerstört zunehmend auch die Sprachkompetenz der Menschen. Beispiel gefällig?

Gänsefüßchen vergessen

Ich zitiere aus einem „MM“-Artikel über die Causa Boris Palmer vom 10. Mai: „Er [Palmer] bezog sich auf einen Kommentar, in dem ohne Beleg behauptet wurde, Aogo habe für sich selbst das N-Wort benutzt“, um dann pflichtschuldigst nachzuschieben: „Mit dem Begriff wird eine Bezeichnung für Schwarze umschrieben, die inzwischen als rassistisch bewertet wird.“ Das ganze Geschwurbel hätte sich der Autor schenken können, wenn er sich auf die leider immer mehr in Vergessenheit geratenen Gänsefüßchen besonnen hätte, die seit eh und je Begriffe einrahmen, die als unschicklich oder – wie im angesprochenen Beispiel – als „verbrannt“ gelten.

Dann hätte der Text – viel kürzer, weniger verquast, aber klar formuliert und ohne rassistischen Hintergedanken – folgendermaßen gelautet: „Aogo habe für sich selbst das Wort „Neger“ benutzt.“ Die Sprachwissenschaft hat für diesen Sachverhalt einen Namen: „Metasprache“, das Sprechen beziehungsweise Schreiben über Sprache!

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3eIEiON

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