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Schon einmal Wohnstraße

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Zum Artikel „Sollten die Bordelle aus der Lupinenstraße weg?“ vom 20. August:

Als gebürtige Neckarstädterin würde ich es ganz außerordentlich begrüßen, wenn die Bordellstraße aus der Neckarstadt-West verschwinden würde. Ein Ersatzquartier lässt sich doch mit Sicherheit finden – Untermühlau- und Ludwig-Jolly-Straße empfinde ich allerdings als zu nah am Wohnbereich.

Ich bin Gemeinderat, Stadtverwaltung und OB aufrichtig dankbar, dass man sich seit einiger Zeit um eine Aufwertung der Neckarstadt bemüht und nicht mehr länger alles, was ein negatives Vorzeichen hat, in dieses Quartier verschiebt. Die Bordellstraße war schon einmal Wohnstraße, nämlich unmittelbar nach Kriegsende. Während die übrige Neckarstadt von Fliegerbomben stark zerstört war, blieb diese Straße, die damals Gutemannstraße hieß, erstaunlicherweise fast unzerstört. Auch das Haus Riedfeldstraße 101 meines Großvaters, Metzgermeister Ernst Abele, war im September 1943 ausgebrannt und die Großeltern zu Verwandten geflüchtet.

Als sie nach Mai 1945 schnellstens wieder zurück nach Mannheim wollten, um die Metzgerei – schließlich ihre Erwerbsquelle – wieder aufzubauen, wurden sie in die Gutemannstraße eingewiesen. Sie wohnten, wenn man von der Riedfeldstraße kam, im ersten Haus links im ersten Obergeschoss. Ich habe dort als junges Mädchen fast täglich meine Großmutter abgeholt, um mit ihr im Hof des Trümmergrundstücks Riedfeldstraße 101 den Mörtel von den verrußten Backsteinen abzuklopfen, aus denen das Haus mitsamt Metzgerei dann auch wieder wenigstens teilweise aufgebaut wurde. Die Großeltern wohnten monatelang in der Gutemannstraße, und ich ging dort ein und aus.

Seitenstraßen als Ziffern

Wann der Bordellbetrieb wieder aufgenommen wurde, weiß ich nicht. Auch in meiner Kindheit vor dem Zweiten Weltkrieg existierte diese Bordellstraße schon. Wenn im Sommer der Eismann seinen Karren mit Speise-Eis durch die Riedfeldstraße zog und meistens schon vorbei war, bis ich meinen Groschen fürs Eis erbettelt hatte, hieß es: „Ihr könnt ihm bis zur 18. nachlaufen, aber nicht weiter!“ Wir waren brave Kinder und liefen auch nicht weiter. Die 19. war die Gutemannstraße.

Damals wurden die Seitenstraßen zwischen Mittel-und Riedfeldstraße im Sprachgebrauch immer nur mit Ziffern genannt, die sich an der Nummerierung der alten Neckargärten der Neckarstadt orientierten. Aus der Zehn wurde dann die Zehntstraße, aus der Elften die Elfenstraße, aus der 13. die Draisstraße. Unsere Pumpwerkstraße war die 17. In der 18. – hieß sie nicht Ackermannstraße? – wohnte als Kind Gerhard Widder, unser späterer OB. Aber das hat er mir später erzählt.

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Ulla Hofmann
Ort
Mannheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3wBlnhl 

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