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Schändung eines Kunstwerks

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Zum Artikel „,Männerdämmerung’ auf dem Hügel – Tcherniakovs ,Holländer’“ vom 26. Juli:

Jeder Komponist, Maler oder Bildhauer erwartet und wünscht, dass seine Werke so präsentiert werden, wie er sie geschaffen hat. Gegen gewaltsame Veränderungen seiner Opern hatte sich bereits Giuseppe Verdi zu Lebzeiten heftig gewehrt: „Ich brauche niemanden, der neue Effekte für mich erfindet!“ Längst lebt er nicht mehr, und auch Wagner ist tot und kann sich nicht mehr gegen das wehren, was in der im „MM“ erschienen Kritik über Bayreuths neuen „Fliegenden Holländer“ euphemistisch als „Lesart“ beschrieben wird.

Masochistisch veranlagt

Anscheinend können die heutigen Opernregisseure nicht mehr richtig lesen. Man braucht doch nur die erste Seite der „Holländer“-Partitur aufzuschlagen und siehe da, es steht alles drin, genauestens beschrieben. Glücklicherweise können Dirigenten aber noch lesen und verstehen, was in der Partitur steht, denn sonst gäbe es auch hier eine „Lesart“, bei der sie vielleicht die Streicher des Orchesters durch ein Saxofon-Quartett ersetzen würden. Wenn ich in diese Kritik auch noch lese, und ich bezweifele Herrn Dettlingers Aussage keinesfalls: „das alles geht radikal gegen Wagners Text und Musik“, dann müsste man schon masochistisch veranlagt sein, um eine solche Vorstellung zu besuchen.

Die Störung der Totenruhe wird bei uns mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, die Schändung eines musikalischen Kunstwerkes eines toten Komponisten ist dagegen noch kein Straftatbestand. Schade!

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Von
Eginhard Teichmann
Ort
Mannheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/2XhPtaP

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