Nicht ungeduldig werden

Von 
Leserbrief-Schreiber: Angela Wolf
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Zum Interview „Alte Menschen sind häufig weniger belastet als junge“ vom 20. Januar:

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Vorneweg sei – wie im Interview des Artikels erläutert – festgehalten, dass sich doch alle Menschen wünschen, von dieser Krankheit verschont zu bleiben. Um dieses Ziel zu erreichen, wird allen Menschen zurzeit viel abverlangt und aufgebürdet. Wie sehr uns diese Belastung bedrückt, wird unterschiedlich wahrgenommen.

Wir älteren und alten Menschen haben doch deutliche Vorteile in dieser Krise. Wir müssen nicht um unser Einkommen bangen, die Rente ist zumindest bisher nicht angetastet worden, ist sozusagen sicher, um Norbert Blüm mit einem schelmischen Zwinkern zu zitieren. Wir Rentner und Rentnerinnen müssen nicht um unseren Arbeitsplatz oder unseren Betrieb bangen, was doch wahrlich eine gehörige Menge Druck nimmt. Wir müssen nicht gleichzeitig Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen.

Nie einen Krieg erlebt

Wir haben möglicherweise auch Vorteile, weil wir aus einer Generation stammen, in der sich Kinder in großen Familien und riesigen Schulklassen (ich war mit 54 Kindern in einer Klasse) anders behaupten und selbst ihren Weg finden mussten, weil sie nicht wohlbehütet von Helikoptereltern überschattet lebten, wie so manche Kinder heute. Viele Menschen in unserem Land – auch ich – haben glücklicherweise nie einen Krieg erleben müssen. Anders die älteste Generation. Da ist es verständlich und nachvollziehbar, wenn Alte sagen: Das war viel schlimmer als sich Corona-bedingt körperlich isolieren zu müssen.

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Trotzdem sehnen wir Älteren uns so sehr danach, endlich wieder unsere Familie und die Enkelkinder um uns zu scharen und sie drücken zu dürfen. In erster Linie wünschen wir aber allen jungen Familien, dass sie in Erwartung und Vorfreude auf „bessere“ gesunde und sozial verträgliche Zeiten durchhalten und nicht ungeduldig werden.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/36aXJuR