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Katholische Kirche Neue Form des Ablasshandels

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Reinhard Kardinal Marx spricht am 10. Juni mit Journalisten, bevor er zu einem Gottesdienst in das Ausbildungszentrum für Pastoralreferenten geht. Papst Franziskus hat den Rücktritt des Erzbischofs von München und Freising abgelehnt. © dpa

Leserbrief zu den Berichten über Kardinal Marx und die katholische Kirche:

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Es wird immer grotesker. Da bekundet ein Kardinal, das Bischofsamt aufgeben zu wollen, aber bitteschön nicht so ganz konsequent. Stattdessen wünscht er sich, dass ihm eine andere Verwendung zugeteilt wird. Das ist doch nichts anderes als die bisherige Missbrauchs-Umgangs-Praxis der Kirche.

Denen, die „auffällig“ wurden, wurde schnell ein neues Wirkungsfeld zugeteilt und möglichst wenig darüber öffentlich gemacht. Nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn…? Das kann für Missbrauchsopfer doch niemals eine vergeltende Lösung sein.

Kardinal Marx hat nun allerdings öffentlichkeitswirksam schon mal „Reue“ gezeigt, indem er eine Stiftung aus seinem „Privatvermögen“ ins Leben rief, was allerdings keine Kunst sein sollte, bei seinem immerhin monatlich mehr als 13 000 Euro satten „Gehalt“ aus Steuergeldern. Ist das möglicherweise der Versuch einer neuen Form des Ablasshandels, der Eindruck schinden soll?

Da hätte er doch besser dran getan, zu Zeiten seiner Bischofszeit in Trier und seines Vorsitzes der Deutschen Bischofskonferenz die kompromisslose Aufklärung, adäquate Straferkenntnis und Wiedergutmachung der Missbräuche stringent zu forcieren, statt sie so lange auszusitzen, bis gewisse Verjährungsfristen griffen.

Nun hat Papst Franziskus ihn aber flugs „freigesprochen“ und gebeten, so weiterzumachen wie bisher… Ein weiteres Mal verspielt der Papst, in den so viele Menschen Hoffnung gesetzt hatten, die Chance, glaubwürdig zu handeln und endlich die notwendige Wende einzuläuten. Es ist so enttäuschend, wirksame Veränderung der Kirche ist wieder mal verspielt und in weite Ferne gerückt.

Ich fürchte, auch bei der vom Papst angeordneten Prüfung in Köln wird es ähnlich ablaufen wie bei sonstigen kircheninternen Visitationen auch. Ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass die beiden entsandten Bischöfe aus Schweden und den Niederlanden eigenhändig in verstaubten Archiven nach belastbaren Hinweisen und Unterlagen stöbern werden.

Stattdessen werden vermutlich die eigentlich zu Untersuchenden selbst einen Bericht vorverfassen, der schließlich abgesegnet (oder ignoriert) wird – denn abschließend entscheidet der Papst allein, welche Konsequenzen gezogen werden. Ich mutmaße einmal, aus Rom wird ein weiteres „weiter so“ folgen.

 

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Von
Angela Wolf
Ort
Mannheim
Datum
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