Schule

Meinungen zum Thema Sprache

Von 
Leserbrief-Schreiber: Bernd Meyers
Lesedauer: 
Die Anrede „Mitarbeiter*innen“ ist in der Handreichung „Hinweise zur Umsetzung der geschlechtersensiblen Sprache für die Verwaltung der Landeshauptstadt Stuttgart“ markiert und auf einem Bildschirm zu sehen. © dpa

Zum Leserbrief „Sprache verändert sich“ vom 11. März und zum Artikel „Zwei Milliarden für Schüler-Nachhilfe“ vom 29. März:

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Ich finde es herrlich erfrischend, wenn sich irgendwelche ideologisch geprägte Fanatiker*innen über abweichende Meinungen echauffieren, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Im vorliegenden Fall betrifft es den Leserbrief „Sprache verändert sich“, der sich auf Herrn Dettlingers Kolumne mit dem Titel „Frauschaft“ bezieht. Sein Beitrag ist unschwer als Satire zu erkennen und sollte deshalb nicht todernst genommen werden.

"Die deutsche Sprache ist über Hunderte von Jahren gewachsen. ...

"Die deutsche Sprache ist über Hunderte von Jahren gewachsen. Man kann sich auf deutsch klar und deutlich ausdrücken."

„Sprache verändert sich“ – welch eine fundamentale Erkenntnis! Dies ist ein Prozess, der sich über etliche Jahre erstreckt, und häufig nicht einen Vorteil für unsere Sprache bedeutet. Die Gründe hierfür sind vielfältig, hervorgerufen zum Beispiel durch Bildungsdefizite, Desinteresse an korrekter Sprache, mangelnde Bereitschaft, unsere Sprache erlernen oder auch eine gehäufte Anwendung von Anglizismen. Die Folge davon ist, dass sich unser Wortschatz immer mehr reduziert.

Neue Wortschöpfungen, insbesondere aus dem Bereich „Gendersprache“, könnten diesen Trend umkehren. Man könnte eine Unzahl von Wörterbüchern füllen mit dieser Form einer Spracherweiterung; sie würde eine unermessliche Bereicherung unserer Sprache bedeuten. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die letzte Aussage ist ironisch gemeint. Man sollte bedenken, dass es sich bei sprachlichen Veränderungen um eine im Allgemeinen natürliche Entwicklung handelt und nicht um eine künstliche Umgestaltung, die dem Durchschnittsbürger von einer Minderheit aus ideologischen Gründen aufoktroyiert werden soll. Glücklicherweise besteht in unserer Republik Meinungsfreiheit; somit haben auch Minderheiten das Recht, abweichende Meinungen zu äußern, aber sie haben nicht das Recht, ihre eigenen Ansichten als Maß für alle anderen Leute heranzuziehen. In diesem Fall versuchen irgendwelche überzeugte Ideologen, eine Meinungs- und Wortwahldiktatur einzuführen. Sie sprechen Mehrheiten das Recht ab, andere sprachkulturelle Ansichten und Auffassungen zu haben.

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Genauso sollte Herrn Dettlinger das Recht zugestanden werden, sich in Form von Ironie oder Übertreibungen auf seine Weise über gewisse Entwicklungen zu mokieren. Seine etwas süffisante Anmerkung über die „Anne-Will-Hockerin“ ist natürlich eine Wortwahl, die einfach nur fürchterlich empörend ist, zumindest für „Marinic-Jünger* innen“. Jedenfalls ist die Verfasserin des genannten Leserbriefes begeistert von Frau Marinics Corona-Tagebuch, und das ist anerkennenswert, gerade weil bei den Leser*innen ein enormes Potenzial an Wissen und Allgemeinbildung vorhanden sein muss, um ihre Thesen und Aussagen richtig zu analysieren. Jedenfalls ihrer Überzeugung nach.

Ich wage es kaum, mich zu „outen“: Ich habe mir das Recht herausgenommen, mich über Herrn Dettlingers Satire lautstark zu amüsieren; gleichzeitig frage ich mich, über was eigentlich Frau Marinic oder die Verfasserin des angesprochenen Leserbriefes lachen können. Bernd Meyers, Ludwigshafen

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Mein Mann und ich lesen auf unsere alten Tage täglich den „Mannheimer Morgen“. So sind wir über das Geschehen in der Region, in Deutschland und in der Welt gut informiert. Uns stört jedoch, dass der „Mannheimer Morgen“ sich zunehmend mit der Gendersprache anfreundet. In der Ausgabe vom 29. März zum Beispiel springt uns die Schlagzeile ins Auge: „Der Lehrerverband schätzt, dass mindestens 80 Prozent der Lernenden wegen Corona eine zusätzliche Förderung brauchen“.

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Uns gefällt das Wort „Lernenden“ nicht. Sie meinen damit offensichtlich Schüler in den Schulen. Aber das wird mit dem Wort „Lernende“ nur ungenau ausgedrückt. Ich war mehr als 30 Jahre lang Lehrerin in der Schule und weiß aus eigener Erkenntnis, dass es auch Schüler gibt, die nicht lernen (wollen), also faule Schüler. Diese brauchen aber auch Förderung, diese sogar ganz besonders. Und es gibt Lernende, die keine Förderung brauchen – unser Jack-Russel-Terrier zum Beispiel lernt, wie er zu Futter kommt, aber Förderung braucht er nicht.

Mir als Lehrerin war es immer wichtig, den Schülern beizubringen, die deutsche Sprache klar, genau und richtig und mit Fantasie lebendig zu verwenden; es ist ein lebenslanger anspruchsvoller, anspornender und auch befriedigender Lernprozess. Die deutsche Sprache ist über Hunderte von Jahren gewachsen, von vielen Schriftstellern mit neuen Nuancen immer weiter verfeinert worden. Man kann sich auf deutsch klar und deutlich ausdrücken.

Das Wort „Schüler“ zum Beispiel ist deutlich, gemeint sind damit alle Schüler – männliche und weibliche, junge und alte, faule und fleißige; das grammatische (generische) Geschlecht ist in Bezug auf das biologische Geschlecht nämlich neutral und schließt keines aus. Das Wort „Lernende“ hingegen hat eine andere Bedeutung.

Die meisten Menschen in Deutschland, auch unter Ihren Lesern, finden die neumodische Gendersprache nicht gut, auch die Frauen nicht. Viele Frauen sehen in der Gendersprache sogar einen Nachteil für die Sache der Gleichberechtigung, unter anderem wegen der damit allen aufgezwungenen Sprachverschlimmbesserung. Zumal es gar nicht feststeht, dass bei uns die Sprache die Ursache für die teilweise durchaus gegebene Benachteiligung der Frauen ist, denn es gibt Sprachen (Englisch, Türkisch, Ungarisch), bei denen es das generische Geschlecht nicht gibt. Man kann aber schwerlich behaupten, dass die Situation der Frauen in diesen Ländern besser gestellt ist. Als gäbe es keine anderen Möglichkeiten, gesellschaftliche Missstände zu beseitigen.

Mein Sprachgefühl sträubt sich gegen die Gendersprache, es tut geistig weh, so etwas zu lesen, lesen zu müssen. Die Sprache wird ungenau, schwerfällig und ermüdend und verliert ihre lebendige Frische – das Lesen macht weniger Spaß. Und irgendwo gibt es dann auch eine Schmerzgrenze. Ursel Golf, Lampertheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3cE7buw https://bit.ly/3ryVdGJ

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redak ...

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redak tion. Ein Recht auf Veröffentli chung gibt es nicht. Die Redaktion behält sich sinnwahrende Kürzun gen vor, anonyme Zuschriften wer den grundsätzlich nicht veröffent