Meinungen zum Thema Corona

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Leserbrief-Schreiber: Jürgen Dörr
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Ein Schild mit der Aufschrift „Zur Anmeldung für die Covid-19 Impfung“ steht im Universitätsklinikum Essen. © dpa

Zum Thema Corona und zum Kommentar „Trotz allem ein großer Gewinn“ vom 5. Januar:

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Interessiert verfolge ich die Diskussion innerhalb der SPD-Führung (und auch anderer Gruppen) um die Beschaffung von Corona-Impfstoffen und die derzeit erhobenen Vorwürfe bezüglich einer zu geringen Beschaffung von Impfstoff für Deutschland, die sich insbesondere gegen den Gesundheitsminister Spahn richten. Wenn ich die Position der SPD (und anderer) richtig verstehe, hält sie es für sachlich richtig und notwendig, dass Deutschland erheblich mehr Impfstoff hätte ordern/bekommen müssen nach dem Prinzip „Germany first“ – weil ich davon ausgehe, dass dieser Impfstoff dann Ländern wie Peru, Italien, Spanien, Rumänien oder Frankreich und vielen anderen mehr auf der Welt nicht zur Verfügung gestanden hätte.

Aber um es auf den Punkt zu bringen: Ich als über 60-Jähriger und Großvater zweier Enkel und derzeit ehrenamtlich im Gesundheitswesen tätig, würde auch durchaus gerne früh geimpft werden – dennoch trete ich gern zurück, weil ich diese Diskussion einer sogenannten „Europa“-Partei und ihres Spitzenpersonals für rassistisch, nationalistisch, chauvinistisch und schlichtweg für beschämend und armselig halte und in einem diametralen Gegensatz zu einem fairen Umgang mit den Ländern steht, die nicht das Glück haben, über die Mittel wie Deutschland oder Bahrain zu verfügen, um sich weltweit zu bevorzugen.

Ich erinnere mich noch gut, wie der ehemalige US-Präsident Trump – den ich persönlich für einen unmoralischen und undemokratischen Narzissten halte – angegangen wurde, als er im Sommer vergangenen Jahres die USA gemäß seines Leitspruchs „America first“ in einen Vorteil bei der Beschaffung von Impfstoffen bringen wollte.

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Was hier aber nun betrieben und gefordert wird – ist Trumpismus par excellence, und das ist nicht mein Land. Und von einigen Ausnahmen abgesehen: So schlecht steht Deutschland in der Impfversorgung im weltweiten Vergleich nicht da.

Es kann doch nicht sein, dass für die Kinder kaum hilfreiche Ideen entwickelt und vor allem auch durchgesetzt werden, während im Sport alle erdenklichen Möglichkeiten, dem Corona-Geschehen auszuweichen, ausgeschöpft werden. Für „großen“ Sport ist jede Menge Geld vorhanden. Da dürfen sich massenweise Sportler und deren organisatorische Hilfskräfte beim Skisport tummeln, da dürfen sich Fußballer auf dem Platz in die Arme fallen (oder auch mal anspucken). Für diese Gruppen sind massenweise Tests und Vorsorgemaßnahmen vorhanden. Aber Kinder werden immer wieder hingehalten und eingeschränkt. Sie dürfen weiterhin nicht in den Kindergarten oder in die Schule. Da fehlt es am Geld hinten und vorne.

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Es gibt nach wie vor Schulen mit katastrophalen hygienischen und baulichen Voraussetzungen. Ein Politiker schiebt die Schuld für Untätigkeit dem nächsten Politiker oder Verantwortlichen in die Schuhe. Wie erklärt man das den Kindern? Wann folgen endlich nachhaltige Taten? Wann wird endlich ein „Machtwort“ gesprochen und das soziale Miteinander aller Menschen eingefordert?

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Mein praktischer Vorschlag – bewusst sehr vereinfacht und plakativ: Ab sofort darf ein Fußballspiel nur noch stattfinden, wenn vorher eine Schule nachweislich mit Klassenzimmer-Luftreiniger-Anlagen ausgestattet wurde. Zehn Spiele am Wochenende brächten also zehn Schulen mehr Sicherheit und die Aussicht auf Präsenzunterricht. Eine Skiveranstaltung darf erst beginnen, wenn in Kindereinrichtungen zuvor corona-taugliche Maßnahmen vorgenommen wurden, bei denen mindestens dieselbe Menge Geld investiert wurde, wie die angestrebte Sportveranstaltung insgesamt kosten wird. Jede Person, Gruppe, Verein oder Gemeinschaft, die eine Ausnahmegenehmigung jedweder Art entgegen allerstrengster Kontaktbeschränkungen anstrebt, muss zuvor einen Gegenwert an Maßnahmen zur Erleichterung für Kinder- und Pflegebedürftige nachweisen.

Um eines klarzustellen: Ich sehe auch gerne Skisport und gönne jedem Interessierten auch Fußballspektakel und Ähnliches. Aber mir schnürt es die Kehle zu, wenn Großeltern seit Monaten nicht ihre Enkelkinder (und umgekehrt) in den Arm nehmen dürfen, weil sie sich strengstens an die Kontaktbeschränkungen halten. (von Angela WolfMannheim)

Im Großen und Ganzen teile ich die Ansicht von Herrn Mack. In einem Punkt bin ich aber ganz anderer Meinung: Herr Mack findet es „schlichtweg ärgerlich“, dass die Kapazitäten des Mannheimer Impfzentrums wegen nicht ausreichender Mengen Impfstoff noch nicht genutzt werden können. Wer der Meinung ist, dass in Deutschland mehr Impfstoff zur Verfügung stehen müsste, der muss sich die Frage gefallen lassen, wo dieser zusätzliche Impfstoff denn herkommen sollte?

Keine der Firmen, die einen zugelassenen Impfstoff herstellt, produziert auf Halde. Alles, was die Firmen produzieren, wird auch ausgeliefert. Welchem Land, das auch bei Biontech bestellt hat, hätte Deutschland denn den Impfstoff vor der Nase wegkaufen sollen? Ist ein Menschenleben in Deutschland mehr wert als ein Menschenleben in irgend einem anderen Land, das auch bei Biontech gekauft hat? Wünschen wir uns wirklich ein Germany-First-Verhalten, so wie im letzten Frühjahr bei den Schutzmasken? Ich sage ganz klar: Nein!

Im Übrigen stimmt auch die immer wieder verbreitete These nicht, die EU hätte bei Biontech nicht genügend Impfstoff bestellt. Pro Kopf der Bevölkerung hat die EU in etwa genau so viel bestellt wie die USA, Kanada oder Großbritannien. Über alle Hersteller hinweg wurden von der EU pro Kopf vier Impfdosen geordert, viel mehr, als wir benötigen werden. Es ist Geduld gefragt und Solidarität mit unseren Nachbarn! Aber Geduld war wohl noch nie die Stärke der Deutschen. Und in einem Jahr mit sechs Landtagswahlen und einer Bundestagswahl schrecken leider auch viele Politiker nicht davor zurück, die Ungeduld zu schüren, in dem sie schon jetzt das Thema „Impfkampagne“ für ihre eigenen parteipolitischen Zwecke missbrauchen. (von Rainer Ringelstein, Mannheim)

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