Mannheimer Jungbusch: Mehr Respekt verdient

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Gut gefüllte Straßen beim Nachtwandel Ende Oktober im Jungbusch in Mannheim. © Michael Ruffler

Zum Artikel „Party vorm Schlafzimmer“ vom 28. Oktober

Den Artikel zum Stadtteil Jungbusch habe ich aufmerksam gelesen. Die Entwicklung des „Buschs“ durfte ich viele Jahre ab 1985 als Mitarbeiterin des Gemeinschaftszentrums Jungbusch begleiten.

Dieses Jahr war ich als Kreative beim „Nachtwandel“ dabei und war schockiert. Wir haben unsere Stände um halb 12 abgebaut und im Keller des Gemeinschaftszentrums „geparkt“, als ich mit dem Lift im Keller ankam, standen mir zwei Männer gegenüber die flockig unter die Kellertreppe uriniert haben. Es waren keine Jugendlichen oder Kinder – nein, es waren weiße alte Männer, die jeglichen Anstand und Respekt verloren haben und sich hemmungslos im Jungbusch aufführen. Und es waren nicht die einzigen, die das Treppenhaus missbraucht haben. Auf dem Weg zum Parkplatz gleiche Erlebnisse: Hose auf und an die Hauswände gepinkelt.

Das gehört zu den größten Aufregern bei den BewohnerInnen im Jungbusch, Hinterlassenschaften in Gelb und Braun gehören in ihren Hauseingängen und Treppenhäusern zum „Tagesgeschäft“. Davon war im Artikel nichts zu lesen – zu unappetitlich? Jungbusch Bewohner sind weggezogen, nachdem sie jahrelang „Richtung Hinterhof“ in der Küche geschlafen haben, da die Räume „vorne raus“ zur Jungbuschstraße nicht zu nutzen waren. So viel zur Hinterhof-Gastronomie des Herrn Hauptenbuchner – was ist der Plan? Ein Jungbusch ohne Bewohner?

Der Standpunkt: „Wer einen Laden hat, schaut, dass der Gehsteig sauber ist“ sticht irgendwie nicht. Die Hinterlassenschaften liegen ja nicht vor der Kneipe, wo man sich gerade die Kanne gegeben hat. Das wird drei oder vier Hauseingänge weiter erledigt.

Ausgehkultur finde ich auch toll, die Betonung liegt aber auf Kultur! Man benimmt sich, stört nicht die Anwohner und nimmt die Hinterlassenschaften – wie bei Hunden – einfach mit! Jeder, der in den Jungbusch zum Feiern kommt, bekommt eine rote Tüte ans Handgelenk! Oder besser: Einen roten Rucksack, damit auch die leeren mitgebrachten Flaschen mitgenommen werden können.

Ich finde der Mannheimer Jungbusch und seine Bewohner haben Besseres und vor allem mehr Respekt verdient.

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Von
Irene Kupsch
Ort
Mannheim
Datum

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3DU5LcO 

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