Leser schreiben zum Personalwechsel beim „rem“

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Zum Interview „Es war ein wirklich extrem angestaubter Laden“ vom 22. Dezember:

Die Reiss-Engelhorn-Museen (rem) in Mannheim haben mit Wilfried Rosendahl einen neuen Generaldirektor. © Blüthner
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Wer sich die Mühe machte, das Interview in seiner vollen Länge zu lesen, der war zunächst ratlos und fragte sich: Was war das jetzt, ein Blick zurück im Zorn? Ein Rundumschlag gegen ehemalige Mitarbeiter („ Viele waren nicht erfreut, dass ich komme und dachten, so jemand muss bekämpft werden“), gegen die Stadt (nicht eingehaltene Vereinbarungen), gegen seine Vorgängerin Frau von Welck („Es war ein wirklich extrem angestaubter Laden, ohne vernünftige Depot- und vernünftige Museumsstruktur“), um sich und seine Arbeit in einem besseren Licht erscheinen zu lassen? Dass es in die Depots reingeregnet hat, ist in Mannheim nichts Ungewöhnliches, das können auch Nationaltheater und Kunsthalle bestätigen.

Unfairer Vergleich

Im Übrigen ist es unfair, die Situation von vor 30 Jahren mit der heutigen Situation zu vergleichen. Bei einem solchen Vergleich wäre auch jede andere große Institution wie Stadtverwaltung, Nationaltheater oder Universität und so weiter „ein wirklich extrem angestaubter Laden“ gewesen. Dass in der Aufzählung der besonderen Ausstellungen die große Sonderausstellung „Die Franken, Wegbereiter Europas“ (September 1996 bis Januar 1997) unerwähnt blieb, ist erstaunlich, denn Herr Wieczorek war ja seit 1990 im Reiss-Museum tätig. Diese erste deutsch-französische Kooperation im Museumsbereich nach 1945, die nur noch in Paris und Berlin zu sehen war, entstand unter der Federführung von Frau von Welck und ist ein Höhepunkt in der Nachkriegsgeschichte des Reiss-Museums.

Dass eine solche kostenintensive Ausstellung nicht kostendeckend sein konnte, war auch nicht ungewöhnlich. Für das entstandene Defizit kann man trotzdem nicht Frau von Welck allein verantwortlich machen. Immerhin hat Herr Wieczorek vier Jahre als stellvertretender Direktor mit ihr zusammengearbeitet und Einblick in die Finanzen gehabt.

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Es kommt Herrn Wieczorek sicher nicht ungelegen, dass er durch das ganzseitige Interview PR-Unterstützung für seine Landtagskandidatur erhält. Sollte er tatsächlich gewählt werden, findet er vielleicht bei der CDU ebenfalls irgendwo einen „angestaubten Laden“, aus dem sich etwas machen ließe. Von Gudrun Höfer, Mannheim

Es ist für mich kaum verständlich, dass neben den großen Verdiensten des ausgeschiedenen Generaldirektors Alfried Wieczorek von den Reiss-Engelhorn-Museen, jetzt von einem „Lotterladen“ vor seiner Tätigkeitszeit an dem renommierten Museum der Stadt Mannheim geschrieben wird.

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Vor dem Jahr 1990, in dem Prof. Wieczorek an das Reiss-Museum kam, war das Museum solide und zugegebener Maßen knapp finanziert von der Stadt Mannheim. Trotzdem hat der vorhergehende Leiter Prof. Erich Gropengießer mit allen seinen wenigen Mitarbeitern dafür gesorgt, dass mit regelmäßigen eigenen Sonderausstellungen Schätze des Museums aus den Magazinen hervorgeholt wurden und der Öffentlichkeit im Zeughaus präsentiert wurden.

Führungen für Schulklassen

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Im Winterhalbjahr wurden im Rahmen der Museumsvorträge gut besuchte Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde Mannheims angeboten. Fast jährlich erschienen eigene wissenschaftliche Veröffentlichungen in einer ganzen Reihe von Bildheften, herausgegeben von den einzelnen Abteilungen der Reiss-Museen. Unzählige Schulklassen konnten in den Museen bei fachkundigen Führungen, zuerst kostenlos und dann für kleines Geld die Historie der Stadt Mannheim und des Umlandes erfahren und kennenlernen. Hinter den Kulissen wurde zusätzlich sorgfältig geforscht, restauriert und katalogisiert.

Und ja – es gab Magazinbereiche, deren Aufarbeitung zeitlich und personell noch nicht zu stemmen war. Auch gab es damals immer wieder Zugänge in den verschiedenen Museumssammlungen aus Sponsorengeldern der gesamten Mannheimer Wirtschaft.

Schwierig wurde es in den Jahren nach 1990. Die Sonderausstellungen sollten dem allgemeinen Trend nach immer größer und immer imposanter sowie spektakulärer werden. Schulden entstanden durch die neuen Ausstellungsvorgaben. Bei allem Verständnis dafür, die Leistungen von Prof. Alfried Wieczorek hervorzuheben, ist festzustellen, ein „Lotterladen“ war das ringsum anerkannte und geachtete Reiss-Museum der Stadt Mannheim nie. Von Günther Mössinger, Biblis

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/39QEV5d