Leser schreiben zum Kommentar über das Reisen

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Ein sogenannter Flowcamper von Van your Life ist in einer Messehalle zum Start der digitalen Reisemesse CMT in Stuttgart aufgebaut. Die Publikumsmesse wurde coronabedingt abgesagt, wann wir alle wieder auf Reisen gehen können, ist unklar. © dpa

Zum Kommentar „Wir brauchen einen Lichtblick“ vom 23. Januar:

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„Behalte deinen Kommentar für dich“, kann schon mal die Antwort sein, wenn man der Meinung des Anderen so ganz und gar nicht zustimmen kann. Und warum? Weil das Thema nicht konsequent gedacht ist, weil sachliche Argumente fehlen oder Stimmungsmache im Vordergrund steht. Boulevard-Zeitungen und Bezahlsender verstehen sich prächtig darauf. Von einer seriösen Tageszeitung will ich jedoch anderes erwarten: nämlich die Darlegung des Sachverhalts, der Argumente und einer Schlussfolgerung. Kein Hin und Her!

Joana Rettig tut aber genau das. In ihrem Kommentar „Wir brauchen einen Lichtblick“, mit dem sie Reisen in der Corona-Zeit verteidigt, ignoriert sie ganz und gar die Wirklichkeit. Sie meint, den Reiseveranstaltern das Überleben zu sichern. Punkt. Punkt? Verniedlicht sie bewusst wissenschaftlich belegte Informationen über die Pandemie? Weiß sie nicht, dass das Virus keine Grenzen kennt? Wem sichert sie also das Überleben? Und mit der Verspottung von Kanzlerin und Länderchefs, mit deren „billigen Mutmachersprüchen!“ offenbart sie sich als beschämende Besserwisserin erster, nein letzter, Güte.

Wer sich nicht nur profilieren will, sondern sachlich bleibt, der kann sich an die Urlaubsbuchungen im Frühjahr durchaus erinnern. An die notwendig gewordenen Stornierungen. Die Reiseveranstalter waren mit Rückbuchungen beschäftigt, viele Kunden von Fluggesellschaften warten bis heute auf ihr Geld. Mehr als Gutscheine wollen sie nicht erstatten und zwingen damit die einst Reisewilligen, deren Unternehmerrisiko zu tragen. Schließt das Unternehmen, dann lieber Kunde: Pech gehabt! Doch wie geht es dem Kunden in der Zwischenzeit? Ist er wirtschaftlich noch stabil? Kann er auf seine Vorleistung verzichten?

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Jetzt also wieder? Wo ist nun der Lichtblick, den Joana Rettig mit ihrem Aufruf „Ab ins Reisebüro“ prophezeit? Nein, die Mehrheit der Bürger kennt die Gefahr und bleibt freiwillig Zuhause. Um sich und alle anderen zu schützen.

Klaus Haibt, Mannheim

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Vollkommen fassungslos habe ich Joana Rettigs Kommentar mit Vorschlag zum Gang ins Reisebüro gelesen. Es ist mir absolut unverständlich, wie Ihr Blatt in Zeiten eines massiven Lockdowns einer derart kontraproduktiven Aufforderung überhaupt Platz – und dann auch noch auf der Titelseite – einräumen kann. Wie oft mussten wir in den vergangenen Monaten schon hören und lesen, dass gerade die Urlauber, die auf gar keinen Fall auf ihre geliebte Reise verzichten wollten, das Virus als Mitbringsel zurück in unser Land brachten. Doch das ist offenbar der Aufmerksamkeit der Autorin entgangen.

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Wer ihrer Aufforderung Folge leistet und jetzt Reisen bucht, wird sie auch antreten wollen. Diejenigen sollten dann aber sehr kleinlaut sein, wenn im nächsten Herbst und Winter ein nächster Lockdown folgt. Der Kommentar ist schlichtweg eine Klatsche gegen all diejenigen unter uns, die verantwortlich mit der derzeitigen schwierigen Situation umgehen. Gibt es denn wirklich kein schlimmeres Schicksal auf dieser Welt, als einfach mal eine Zeit lang auf Reisen zu verzichten?

Thomas Mechler, Mannheim

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2M636Vh