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Lebendige Theologie

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Zum Geistlichen Wort „Christentum und Toleranz“ vom 13. August:

Ich stimme dem Autor zu, dass es um die Toleranz gegenüber vom Mainstream abweichenden Meinungen derzeit schlecht bestellt ist. Die von Herrn Lohrbächer getroffene Auswahl von Themen reizt mich jedoch genauso wie der selbstgerechte und anmaßende Duktus seines Textes zu Widerspruch.

Darüber, dass in unserer Zeit noch immer Anstoß an einem im Pfarrhaus lebenden homosexuellen Paar genommen wird, kann man sich wundern. Dass der Autor daneben das immer wieder kontrovers diskutierte Thema Abtreibung heranzieht, stieß mir sehr auf. Es gäbe Themen, die besser geeignet wären, die „säkulare Intoleranz“ zu begründen, zum Beispiel die einseitige Impfpropaganda bei der Pandemiebekämpfung oder die Frage nach der Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine.

Wenn Herr Lohrbächer sich auf die Themen „Homosexualität“ und „Abtreibung“ konzentriert, sollte er das mit mehr Zurückhaltung tun. Das wäre nicht nur ein Gebot der Toleranz, sondern des Respekts. Es gibt nicht nur „Christen, die gegen Abtreibung sind“, es gibt auch Christinnen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Sie tun das in der Regel aus einer Lebenssituation heraus, die in der Tat einem unlösbaren Dilemma gleichkommt. Diese Entscheidung wird nach verzweifeltem Ringen auch mit dem eigenen Glauben getroffen, mit Folgen, die in der Abtreibungsdebatte zu wenig berücksichtigt werden: Trauer, Reue, und Schuldgefühle sind für Betroffene besonders belastend, da sie in der Öffentlichkeit totgeschwiegen werden.

Wer sich noch nie in der quälenden Situation eines Schwangerschaftskonfliktes befand, sollte sich mit Werturteilen zurückhalten. Äußert sich ein männlicher Vertreter der Kirche verurteilend zu diesem Thema, macht mich das auch vor dem Hintergrund der kirchlichen Missbrauchsskandale wütend. Eine lebendige Theologie speist sich durch die kritische Auseinandersetzung mit den biblischen Texten, die in ihrem Entstehungskontext betrachtet und in die Gegenwart übersetzt werden müssen: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“ (2. Korinther 3.6). Daneben lege ich dem Autor ans Herz: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werden.“ (Matth. 7.1).

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Kirsten Häusler
Ort
Mannheim
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3c020r8

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