Kritik am Parteiwechsel von Chris Rihm

Von 
Leserbrief-Schreiber: Jürgen Dörr
Lesedauer: 

Der Wechsel des ehemaligen CDU-Stadtrates Chris Rihm zu den Grünen hat ja auch im „Mannheimer Morgen“ breite Beachtung gefunden. Und unter Hinweis auf die Forderung der CDU-Spitze, das Mandat zurückzugeben, wurde vom „Mannheimer Morgen“ auch sofort das Beispiel Hornung gebracht, wo 2017 ein Wechsel in umgekehrter Richtung erfolgte und Hornung damals sein Mandat behalten hat (was aufgrund der Gemeinderatswahlen als Persönlichkeitswahl letztendlich auch richtig war).

AdUnit urban-intext1

Ehrlich wäre es dabei aber gewesen, wenn man auch die Äußerungen und Forderungen führender Vertreter der Mannheimer Parteienlandschaft vor drei Jahren einmal zitiert oder diese so wie vor drei Jahren dazu befragt hätte wie sie zu ihren damaligen Äußerungen stehen. Aber da ja beim „Mannheimer Morgen“ die CDU oder der MdB Löbel gerne Zielscheibe für jede Kritik sind, hat man davon wohl geflissentlich Abstand genommen.

Keine Aussage zu hören

So hat damals die Grünen-Fraktion auch lautstark die Mandatsrückgabe verlangt (wieso jetzt nicht?), der damalige Grünen-Bundestagabgeordnete Danyal Bayaz kommentierte auf Facebook mit Blick auf eine Partei-Wechslerin in Niedersachsen verärgert: „Elke Twesten jetzt auch in Mannheim? Wäre fatal für Vertrauen in Politik, wenn Eindruck entsteht, man wechselt immer zum besten politischen Angebot.“ Die SPD-Gemeinderätin Marianne Bade beklagte „Niedersachsen in Mannheim“ und sogar als „ziemlich übel“ bewertete die Linken-Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut den damaligen Wechsel. Es wundert, dass diesmal keine einzige solche Aussage von den Grünen, der SPD oder der Linken-Abgeordneten Akbulut zu hören ist.

Vermutlich herrscht dort bloße Schadenfreude vor – aber moralisch besser wird das Verhalten dadurch nicht, sieht man vielmehr deutlich, wie moralin-getränkte Politiker gleiche Sachverhalte unterschiedlich bewerten getreu dem Motto: Zur CDU wechseln ist ziemlich übel, aber alles andere geht und ist wohl anständig.

AdUnit urban-intext2

Für mich ist das verlogen. Und dem „Mannheimer Morgen“ hätte es doch gut zu Gesicht gestanden, diesen Widerspruch einmal aufzuklären.

Mit Erstaunen habe ich gelesen, dass Chris Rihm zu den Grünen als Mitglied gewechselt ist. Interessant. Man kann ja verstehen, dass er aus Verärgerung speziell wegen Nikolas Löbel aus der CDU ausgetreten ist und auch seine sonstigen Ämter dort niedergelegt hat. Verständlich auch, dass er politisch weitermachen will – aber ausgerechnet zu den Grünen – zu denen, die alle modernen Mobilitäten verteufeln – also nein!

AdUnit urban-intext3

Wie – und dies würde mich interessieren – vereinbart er als Inhaber eines Reisebüros seine Geschäftsinteressen (Reisen werden in der Regel zum Erreichen des Urlaubszieles mit Flug, Schiff oder Bus angeboten und durchgeführt), Geld durch solche Vermittlungen zu verdienen, mit den Grundsätzen der Grünen? Ich glaube, dass sein Wertekompass da ein Manko aufweist, die Grünen sich jedoch über einen weiteren Stadtrat in ihren Reihen freuen.