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Jugend unser Kapital

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Zum Artikel „Mehr Zeit für die Prüfungen“ vom 9. Februar:

Viele Jahre habe ich an Beruflichen Schulen unterrichtet. Hierzu zählen Schulformen jeglicher Art, die die Durchlässigkeit des Schulsystems in Baden-Württemberg gewährleisten. Ich selbst habe in der Berufsschule über die Berufsfachschule bis hin zum Beruflichen Gymnasium gearbeitet. In den Beruflichen Schulen werden Schüler*innen aus allen sozialen Bereichen, jeden Intellekts und jeder Motivation beschult. Gleich ist ihnen immer der Ehrgeiz, ihre Prüfung zu bestehen.

Auch sie litten und leiden unter Corona. Insofern ist es bedauerlich, dass sie bei den Überlegungen von Frau Schopper keine Rolle spielen. Wieder einmal erhalten nur die angehenden Abiturient*innen eine prominente Stimme. Über die Absolvent*innen wird berichtet, die Prüfungsaufgaben werden veröffentlicht, die jungen Erwachsenen werden gar namentlich in der Zeitung genannt und nun erhalten sie zusätzliche Prüfungszeit. Ist der Ministerin nicht klar, dass der größere Teil der Prüflinge kein Abitur schreibt, sondern aus sozial und finanziell ärmeren und bildungsferneren Gesellschaftsgruppen stammt und doch anspruchsvollen Schulbesuch stemmt? Dass es für sie oft schwerer ist, ihren Schulbesuch erfolgreich zu gestalten, weil sie eben eventuell kein förderndes Umfeld, keine individuelle Nachhilfe etc. haben?

Vielleicht liegt es daran, dass Frau Schopper wohl wenig Schulen von innen sah seit ihrer eigenen Schulzeit. Auch im politischen Leben der jetzigen Kultusministerin erscheint kein Arbeitsbereich im Bildungssektor. Die Abiturient*innen erhalten durch sie nun mehr Zeit. Für die Schüler*innen im Beruflichen System blieb letztes Jahr ein wachsweicher Brief, der keine verbindlichen Corona-Regelungen beinhaltete.

Unsere Jugend ist unser Kapital, da sei den Gymnasiast*innen viel gegönnt, aber es ist dumm, den großen, wunderbaren Rest zu vergessen.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3LPftPB

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