Großes Durcheinander

Lesedauer

Zum Artikel „Bau einer Bahnlinie schafft Kleinod der Natur“ vom 31. Mai:

AdUnit urban-intext1

Ihr Beitrag betreffend die Fertigstellung des Rheinau-Tunnels damals hat bei mir persönliche Erinnerungen geweckt. Am 31. Mai 1991 hatte die Deutsche Bahn aufgrund der anstehenden Eröffnung der ICE- Schnellbahnstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart den ganzen Tag lang freie „Schnupperfahrten“ zwischen diesen Städten angeboten. Mir war es gelungen, für meine Frau, mich und den 12-jährigen Sohn Karten zu ergattern.

Die Hinfahrt zur Landeshauptstadt verlief problemlos, alles war begeistert von dem neuen Zug und der Geschwindigkeit. Nach kurzem Aufenthalt (aussteigen war nicht möglich) verließ der ICE den Hauptbahnhof Stuttgart wie geplant. Die Passagiere mussten aber feststellen, dass er jedoch nur sehr langsam fuhr. Nach einer Durchsage über die Lautsprecheranlage, die nach dem mitreisenden Mechaniker fragte, hielt der Zug sogar kurz an.

Wie sich herausstellte, hatte wohl irgendein neugieriger Passagier an der Mechanik einer Außentür unerlaubterweise herumgefingert – die Tür ließ sich nicht mehr schließen. Also zuckelte der teure neue ICE sehr vorsichtig – und langsam – zurück nach Mannheim. Unterwegs fiel auch noch die Klimaanlage in einem der Waggons aus – ein Unglück kommt bekanntlich selten allein!

AdUnit urban-intext2

Ich war dabei

In Mannheim nun warteten hunderte Passagiere bereits ungeduldig auf unseren Zug, um ebenfalls die Sonderfahrt anzutreten. Es entstand daraufhin ein gewaltiges Durcheinander: Die Einen wollten raus aus dem Zug, die Anderen wollten endlich rein, durften aber nicht, weil der Zug nicht mehr fahrtüchtig war. Es hat dann ewig gedauert, bis der Ersatzzug bereitgestellt werden konnte.

Die anfangs euphorische Stimmung war gekippt. Immerhin: Nach einer schriftlichen Beschwerde bei der Bahn hat die sich dann entschuldigt und mir ein Erinnerungsschild zukommen lassen, das ich nach langem Suchen auf dem Dachboden wieder entdeckte. Die ganze Geschichte, die ja nun bereits 30 Jahre zurückliegt und die im Hinblick auf die vielen anderen ähnlich gelagerten Fälle ziemlich in den Hintergrund getreten ist, hat für mich ganz einfach die spezielle Bedeutung: Ich war dabei, damals!

AdUnit urban-intext3

Jürgen Schneider, Bad Friedrichshall

AdUnit urban-intext4

Info: Hier geht es zum Originalartikel