Erkenntnisse umsetzen

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Eine Lehrerin schreibt in einer Schule in Remhalden Worte an eine Tafel. © Sebastian Gollnow/dpa

Zum Artikel „Schulpolitik vom Ex-Lehrer“ vom 18. November:

Fand eine Lehrkraft vor rund 20 Jahren noch eine weitgehend homogene Grundschulklasse vor, so muss sie sich heute unter anderem mit lnklusion und Migration auseinandersetzen. Beides beansprucht mehr Aufmerksamkeit und vor allem Zeit.

Das Mantra der modernen Pädagogik lautet: Schule soll Spaß machen, Paukunterricht ist verpönt und im Vordergrund steht der Erwerb von Kompetenzen. Kontinuierliche und intensive Übungsphasen sowohl beim Erwerb von Rechtschreibkenntnissen als auch der Grundrechenarten werden heutzutage vernachlässigt. Die Lehrkraft, die sich gegen den Trend der modernen Pädagogik stellt, wird schnell als „oldschool“ abqualifiziert.

Bis Spitzensportler bestimmte Bewegungsabläufe verinnerlicht haben und diese dann als ihre Kompetenz abrufen können, benötigt es oftmals Jahre und hunderte von Trainingseinheiten. So etwas bezeichnet man als intensives Training. In der „modernen“ Pädagogik hieße das pauken, das ja verpönt ist.

Mein Vater verbrachte seine Mittagspause zum Leidwesen seines Sohnes zu Hause, denn während meiner Grundschulzeit fand nach dem Mittagessen regelmäßig ein fünfminütiges „Kopfrechnen“ statt. Trotz mancher Widerstände meinerseits, er setzte sich durch. Erst im Abstand von vielen Jahren habe ich den Sinn und den Nutzen eingesehen. Heutzutage befürchten viele Eltern, die Liebe ihrer Kinder zu verlieren, wenn sie versuchen, sich gegen deren Willen durchzusetzen. Und wie oft musste auch ich den Satz hören: „Das muss die Schule richten!“

Von Hamburg nach Stuttgart

Viele Jahre schaute man im Bildungsbereich Baden-Württembergs mit einer gewissen Arroganz Richtung Norden. Nun stellt man mit Entsetzen fest, dass man nach dem jüngsten Bildungsvergleich nicht mehr in der Ersten Liga spielt. Ein leichtes Grinsen und eine gewisse Genugtuung beim Lesen des Artikels „Was Hamburg besser macht“ konnte ich mir nicht verkneifen: „Lesen, Sprachbildung, Rechtschreibung und Rechnen sind Schwerpunkt im Unterricht. Es gibt mehr Zeit zum Üben dieser Basisfähigkeiten.

Schon um Klassenarbeiten zu üben, gibt es mehr Klausuren als früher. Diese dürfen nicht mehr durch Referate ersetzt werden. Die Devise heißt: Konsequente Leistungsorientierung ist sozial gerecht. Es wäre ein Gewinn für den Bildungsbereich Baden-Württembergs, wenn diese hamburgischen Erkenntnisse bis zu den Pädagogischen Hochschulen und dem Kultusministerium vordrängen.

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Von
Jürgen Hebling
Ort
Schriesheim
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Info: Originalartikel unter http://bit.ly/3UiaLgn

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Veröffentlicht
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Britt Neuhaus, Sabine Winkler
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