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Energiewende Energiewende: Besseres Gesamtkonzept nötig

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Zum Artikel „Klimawandel – Mannheim kann Energiewende bis 2050 schaffen“ vom 2. März:

Noch bevor die beiden Energiewendestudien aus Wuppertal und Kassel veröffentlicht wurden, haben Energiekonzerne und ihre Netzbetreiber die darin enthaltenen Konzepte bereits ad absurdum geführt. Die GKM-Eigentümer RWE und EnBW wollen ihre Kohleblöcke stilllegen und dafür Prämien kassieren.

Anstatt im GKM eine neue GuD-Anlage mit Fernwärmeauskopplung zu bauen, investieren sie in Biblis und Marbach in offene 300MW-Gaskraftwerke mit schlechtem Wirkungsgrad zur Stromnetzstabilisierung. Damit werfen sie alle Berechnungen und Annahmen der beiden Studien über den Haufen, so dass unterm Strich mehr Erdgas als notwendig verbrannt wird. Zugleich zwingen sie die MVV, ihr Fernwärmenetz umzubauen. Die Kasseler Studie beziffert dafür die Kosten auf 1,6 Milliarden Euro; für das ambitioniertere KliMa-Szenario aus Wuppertal müsste schätzungsweise das Doppelte veranschlagt werden.

Rolle der Versorgungssicherheit

Zugleich würde der Großteil der bisherigen KWK-Förderung für die MVV verlorengehen, weil künftig zwei große Gaskessel im Winter für Fernwärme betrieben werden müssten. Wer soll das bezahlen? Die MVV verlangt jetzt schon überhöhte Preise. Darüber hinaus weisen beide Studien Mängel auf, wovon hier nur die Wichtigsten benannt werden können: Die Versorgungssicherheit spielt nur eine untergeordnete Rolle, weil nur durchschnittliche Jahresverbrauche und nicht Spitzenlasten, Dunkelflautenüberbrückungen, Schäden und sicherheitsmäßige Redundanzen bei den Berechnungen zugrunde gelegt werden. Auch in umgebaute, moderne Strom- und Fernwärmenetze müssen aus Sicherheitsgründen doppelt so hohe Leistungen installiert werden, als in der Spitze gebraucht werden.

Bei der hochgelobten Erdwärmenutzung wurde nicht berücksichtigt, dass die Hälfte der im Oberrheingraben installierten Erdwärmekraftwerke oft wegen Erdbeben still liegt. Unterbelichtet blieb aber der notwendige Ausbau des Hochspannungsnetzes für Grünstrom. Schließlich bleibt die Frage, woher denn der Industriestrom für Mannheim und der Bahnstrom kommen soll.

Bei einem weiterhin liberalisierten Strommarkt käme er als Atomstrom aus Frankreich oder als Kohlestrom aus Polen. Ein besseres Gesamtkonzept ist nach wie vor nötig.

Joachim Schubert, Mannheim

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/389zpdT

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