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Die wenigsten Kurden sind PKK-Anhänger

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Zum Artikel „Mehr Abschiebungen in die Türkei“ vom 28. Juni:

Ihrem Bericht zufolge beantragten 2021 laut Bundesregierung 6752 Personen aus der Türkei Asyl in Deutschland. Die Mehrheit, fast 4000, waren Kurden. Doch nur eine Minderheit von ihnen, rund 13 Prozent, bekam einen Aufenthaltstitel zugesprochen. Bei den nicht kurdischen Türken belief sich diese Schutzquote auf 78 Prozent.

Asylbewerber, deren Antrag abgelehnt wird, werden in ihre Heimatländer abgeschoben. 2021 gab es 361 Abschiebungen in die Türkei. Für 2022 wird mit rund 500 gerechnet. Es darf nach den obigen Zahlen davon ausgegangen werden, dass es überproportional viele Kurden sein werden. Die wenigsten Kurden sind PKK-Anhänger. Die PKK ist als Terrororganisation in der Türkei verboten. So auch bei uns. Immer wieder startet Erdogan Kriegshandlungen gegen militärische PKK-Stellungen in Nordirak und -syrien, um von der im wesentlichen von ihm verursachten wirtschaftlichen Misere in der Türkei abzulenken.

Die meisten Kurden wählen in der Türkei die HDP, eine gemäßigte kurdische Partei, die sich klar von der PKK abgrenzt. Den bei den letzten Wahlen erfolgreichen Vorsitzenden dieser Partei hat Erdogan wegen Terrorverdachts vor fünf Jahren verhaften lassen. Er wartet noch immer auf seinen Prozess. Auch viele andere Kurden, ob HDP-Wähler oder nicht, werden aus fadenscheinigen Gründen verhaftet.

Rund 20 Prozent der Bevölkerung

Dass einige in Deutschland und in anderen Ländern Asyl begehren, ist sehr verständlich. In dem Vielvölkerstaat (!) Türkei leben 15 bis 20 Millionen Kurden, also mehr als 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie sind über das gesamte Land verteilt. Auch in der Westtürkei gibt es viele, in Ostanatolien ist ihre Konzentration aber höher. Das Zusammenleben mit den Türken ist in der Regel problemlos. Die Kurden leben schon seit Jahrhunderten in der Türkei, sind aber west-iranischen Ursprungs.

Die Zahl der Kurden im Iran wird auf elf Millionen geschätzt, die im Irak auf acht Millionen und die in Syrien auf drei Millionen. Hinzu kommen viele Kurden in westlichen Ländern. Ihre Sprache ist indogermanisch. Am weitesten verbreitet ist Kurmandschi, gefolgt von Sorani und Südkurdisch. Die meisten Kurden sind Sunniten. Es gibt aber auch Schiiten, Aleviten und sogar Jesiden unter ihnen.

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Manfred K. Nagler
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