Die Corona-Krise und ihre Folgen

Von 
Leserbrief-Schreiber: Rolf Menz
Lesedauer: 
Polizisten sprechen in einem Stuttgarter Park einen Mann an. Um die Ausbreitung des Coronavirus’ einzudämmen, ist der Aufenthalt in Parks eingeschränkt. © dpa

Zum Thema Corona:

Ich verfolge nun schon seit einigen Wochen die Berichterstattung in dieser Zeitung und ich frage mich langsam, ob wir nicht im Begriff stehen, das Augenmaß und die Verhältnismäßigkeit zu verlieren. Da fahren Radfahrer wohl zehn oder 20 Kilometer, vielleicht auch mehr, einer hinter dem anderen in der Atemluft des jeweils anderen, und das ist erlaubt. Wollen diese Radfahrer sich nun auf einer Decke oder auf einer Bank ausruhen, ist das plötzlich nicht mehr erlaubt. Die Ordnungsmacht schreitet ein.

AdUnit urban-intext1

Die Besitzerin eines Cafés verkauft Eis über die Straße, also nicht an Sitzplätzen im Café. Das ist eigentlich ein Abholgeschäft und somit gestattet. Weil sich aber eine Schlange bildet, wird der Verkauf von der Ordnungsmacht untersagt. Parks und Uferflächen in Mannheim und Heidelberg sind geschlossen, obwohl man sich dort gut aus dem Weg gehen kann. Drohnen überwachen diese Flächen, und keinen stört es. Seitdem ist es an Orten im Odenwald, an denen man üblicherweise kaum Besucher findet, voll. Man begegnet sich auf engen Waldwegen, nimmt einen ausreichenden Abstand zum Passieren ein, ohne dass sich jemand daran stört.

Menschen, wahrscheinlich Familien oder auch Paare, sitzen nebeneinander auf einer Decke, die nächste Familiendecke befindet sich in weitaus größerem Abstand von der anderen entfernt als die einmeterfünfzig Markierungen im Supermarkt. Sie tun das, weil sie raus aus der Enge der Stadt wollen und weil man ihnen dies auf den städtischen Grünflächen verwehrt.

In einem Supermarkt, in dem die Kundenzahl am Eingang kontrolliert wird, unterhalten sich zwei Frauen, die sich kennen, in gebührendem Abstand zueinander miteinander. Eine mit Mundschutz gewappnete Furie regt sich darüber auf und maßregelt die beiden in einem völlig unangemessenen Ton. Weil potenziell ist ja jeder mit dem Virus infiziert und somit ein Gefährder, nur der allseits wache und sich zum Ordnungshüter aufspielende „Wächter und Hüter“ des Nächsten nicht.

AdUnit urban-intext2

Und das nehmen wir alle einfach so hin? Was mir vor allem gesellschaftlich große Sorge bereitet, ist die sich in dieser Krise entwickelnde Blockwartmentalität und die Bereitschaft zur Denunziation. Soll das etwa die neue Normalität sein, wenn diese Krise überstanden ist? Angeblich dann, wenn ein Impfstoff gefunden ist. Was aber, wenn dieses Virus so wandelbar wie das Grippevirus ist? Gibt es dann überhaupt keine Normalität mehr? Gibt es dann nur noch Kontaktsperren, Abstandsgebot, Schutzkleidung und vor allem Kontrolle? Ach ja, ich vergaß. Bis dorthin ist ja dann die Herdenimmunität eingetreten, die uns schützt – bis ein neues Virus kommt. Wir ertragen dies alles, weil man uns täglich eine riesengroße Angst einimpft und an unser Gewissen appelliert, das Gesundheitswesen nicht zu überlasten und weil wir ja dadurch Menschenleben retten. Und wehe, man wagt es, Zweifel zu äußern.

Rolf Menz, Wilhelmsfeld

AdUnit urban-intext3

AdUnit urban-intext4

Viele meiner deutschen Bekannten sagen zu mir: „Bei euch im Orient ist der Zusammenhalt viel enger und familiärer als bei uns.“ Seit die Corona-Krise bekanntgeworden ist, wird von der Regierung strikt gebeten, dass ältere und kranke Menschen zu Hause zu bleiben. Die meisten meiner Nachbarn haben sofort und spontan ihre Hilfe angeboten. Auch die Hausverwaltung macht für ihre Mieter Einkäufe. Eine Bekannte hatte mir von ihrem Vorrat Toilettenpapier, Papiertaschentücher und Lebensmittel gegeben. Deutschland hat seine Hilfsbereitschaft bewiesen. Die Deutschen sind bekannt für Disziplin und Ordnung. Das kann man in dieser schwierigen Zeit erkennen. Ich bin stolz auf dieses Land.

Mohamed Tawfik, Mannheim

AdUnit urban-intext3

„Es ist vorbei, wenn es vorbei ist.“ Selten habe ich in Ihrer Zeitung einen solch schwachen Kommentar gelesen, wie diesen von Herrn Marco Pecht. Die Republik brauche „Geduld, bis die Infektionszahlen beherrschbar sind“. Genau das ist aber das Problem. Um die Zahlen zu beherrschen, wäre es in dieser Krise sehr hilfreich, wenn alle Möglichkeiten, welche uns zur Verfügung stehen, auch genutzt werden würden, um das Virus besser zu verstehen.

Mit einem reinen Anstieg der Fallzahlen zu argumentieren, ist mindestens genauso fahrlässig, wie eine vorschnelle Aufhebung aller Maßnahmen. Die Fallzahlen sollten nämlich stets im Verhältnis zum Anstieg der Tests gesetzt werden und nicht isoliert betrachtet werden. Ich bin leicht verwundert, dass die hierzulande unter anderem von der Charité Berlin als „Goldstandard“ gepriesenen PCR-Tests, nicht durch Antikörpertests ergänzt werden. Beide Tests alleine bringen leider viel Ungewissheit, da PCR-Tests für sich genommen bei schon länger infizierten Personen nicht mehr positiv reagieren sollen.

Antikörpertests erkennen wiederum keine akut infizierten Menschen, haben dafür aber andere entscheidende Vorteile. Daher ist es für mich völlig unverständlich, dass sich die Politik hinsichtlich ihrer Maßnahmen nur auf die Fallzahlen von PCR-Tests stützt und beruft. Ich hoffe, dass auch das Robert-Koch-Institut (RKI) Kohortenstudien tatkräftig unterstützt, wie die von Prof. Hendrik Streeck in Heinsberg beziehungsweise die des Tropeninstituts in München.

Anhand eines repräsentativen Querschnitts der Bevölkerung wird hierbei regelmäßig, und zwar unabhängig von Symptomen bei den Teilnehmenden, die Bildung von Antikörpern getestet. Dies ist meiner Meinung nach die seriöseste Möglichkeit, womit anhand valider Hochrechnungen eruiert werden kann, wie gefährlich das Virus wirklich ist. Letztendlich käme heraus, wie hoch der Grad einer möglichen Durchseuchung in der Bevölkerung schon fortgeschritten wäre. Nur mit den PCR-Abstrichtests ist das schlicht nicht möglich. Genauso unverständlich ist es mir, dass die oftmals „im Zusammenhang mit dem Coronavirus Verstorbenen“ nicht flächendeckend durch Pathologen obduziert werden. Hiervon rät das RKI ab und regt an, Obduktionen in Bezug zu Sars-CoV-2 auf „ein Minimum“ zu beschränken.

Das Bundesland Hamburg geht hier einen anderen Weg. Dort wurde nach erfolgter Obduktion der vermeintlich mit Sars-CoV-2 infizierten Verstorbenen festgestellt, dass bisher kein Mensch in Hamburg an Corona verstorben sei.

Die Untersuchten seien maßgeblich an schwerwiegenden Vorerkrankungen gestorben, das Virus habe laut pathologischem Befund, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle gespielt. Was wäre, wenn durch flächendeckende Obduktionen festgestellt werden würde, dass die Letalität dieses Virus tatsächlich viel niedriger läge? Die noch vorhandene Akzeptanz in der Bevölkerung für die drastischen Maßnahmen würden dahin schmelzen, wie mehrere Kugeln Eis in der warmen Frühlingssonne.

Einfache Floskeln und Durchhalteparolen mögen vielleicht auf kurze Sicht für einen Großteil der Bevölkerung funktionieren. Auf Dauer zählen aber eben nur Fakten, um das Leben wieder geordnet hochfahren zu können. Gerade in dieser Krise müssen weltweit alle Experten sofort gehört werden, um schnellstmöglich evidenzbasierte Fakten zu schaffen. Die erwähnte Heinsberger Studie von Prof. Streeck ist ein großartiger Schritt in die richtige Richtung. Gut so und mehr davon. Davon hängen letztendlich Menschenleben ab.

Also „alles zu seiner Zeit“? Nein, Herr Pecht. Wenn die Politik und Medien nämlich nicht aufpassen, entsteht aufgrund von derzeit noch nicht abschließend bestätigten Annahmen und Berechnungen, aus einer Gesundheits- und Wirtschaftskrise, ganz schnell eine gesamtgesellschaftliche Katastrophe von bis dahin unbekanntem Ausmaß.

Swen Nußbaum, Mannheim

AdUnit urban-intext3

Dass es in den aktuellen Zeiten täglich um Corona geht, ist klar. Natürlich sind Fakten, Geschichten von Betroffenen und aktuelle Regelungen relevant. Was ich mir jedoch wünschen würde, wäre, dass das Thema, wie es zu solch „neuen Viren“ überhaupt kommt, viel mehr in den Fokus gerückt wird. In einer Ausgabe wird lediglich in wenigen Zeilen „In Kürze“ erwähnt, dass der WWF vor Risiken durch Umweltzerstörung warnt.

Die Ursache der ganzen Situation verdient meines Erachtens eher ein tägliches Titelblatt anstatt eine minimale Erwähnung „In Kürze“. Klar stehen aktuell die persönlichen finanziellen Existenzen im Vordergrund – doch langfristig können (und werden wohl) solche Situationen mehr und mehr auftreten und es holt uns alle ein – ebenso wie der Klimawandel. Da hilft dann auch kein Geld mehr.

Julia Grenz, Neuhofen

Zugegeben, ich bin 77 Jahre, habe weißes Haar, bin aber gesund und gut zu Fuß. Ich erfahre in dieser schweren Zeit sehr viel Gutes, eine große Hilfsbereitschaft aus der Nachbarschaft und dem Freundeskreis. Aber was mir an Karfreitag passiert ist, macht mich sprachlos, und ich möchte es öffentlich machen.

Wie häufig beginne ich meine Walkingrunde am Kiesteichweg in Neckarau. Ich walke auf dem Fußgängerweg (rund zwei Meter breit) parallel zur Straße. Zwei kleine Jungen kommen mir entgegen. Als sie mich sehen, gehen sie sofort hintereinander, der nötige Abstand ist gewahrt. Dann erblicke ich vor mir eine Frau mit Pferd, auf dem ein etwa zwölfjähriges Mädchen sitzt. Außerdem ist noch ein Hund dabei, also keine Möglichkeit vorbeizukommen, geschweige einen notwendigen Abstand einzuhalten.

Ich weiche über hohes Gras auf die Straße aus mit der Bemerkung „Dann gehe eben ich auf die Straße“. Daraufhin ruft mir die Frau so laut, dass es auch andere hören, hinterher: „Risikogruppen bleiben zu Hause!“ Ich bin entsetzt, betroffen, aber auch zornig. Was für ein Menschenbild wird diesem Kind von seiner Mutter vermittelt!

Ursula Krieger, Mannheim

AdUnit urban-intext3

Wie die Zahlen zeigen, sind die bisherigen Schutzmaßnahmen in den Heimen völlig unzureichend. Gesichtsmasken und Schutzkleidung können allenfalls die Ansteckungsrate verlangsamen (immerhin), aber nicht unterbinden. Das Virus darf gar nicht erst in das Heim gelangen. Bloße Besuchsverbote reichen da nicht, weil das Virus auch durch Bedienstete eingeschleppt wird, die oft gar nicht merken, dass sie infektiös sind. Da ein Infizierter in der Regel schon nach vier Tagen ansteckend ist, erreicht man völlige Sicherheit für Heime nur, wenn die Pflegekräfte, sofern sie noch nicht als immun ausgewiesen sind, alle drei Tage vorsorglich auf eine Ansteckung getestet werden.

Ohne einen solchen aktuellen negativen Testbefund sollte absolutes Eintrittsverbot bestehen. Wir sind den von uns abhängigen Schutzbedürftigen, die sich in institutionelle, gesellschaftlich geregelte Obhut begeben haben, verpflichtet. Es wäre eine Schande für unseren Staat, wenn er es nicht schafft, die Schwächsten von uns, die Pflegebedürftigen, die sich nicht mehr selbst vor einer Ansteckung bewahren können, zu schützen. Die technischen Möglichkeiten sind dazu gegeben. Es gibt inzwischen einfach bedienbare Geräte für Schnelltests, die nach zweieinhalb Stunden das Ergebnis vor Ort ausgeben. Was noch fehlt, ist die Zertifizierung dieser Geräte und die Übernahme der Kosten für die Tests durch die Krankenkassen, notfalls durch den Staat. Die Heime können die Kosten nicht tragen.

Hartfrid Golf, Lampertheim

AdUnit urban-intext3

Da ich ein unermüdlicher Rätsellöser des „Mannheimer Morgen“ bin, möchte ich Ihnen danken, dass Sie in diesen schweren Zeiten der Corona-Krise in loser Folge zusätzlich zu dem täglichen Rätsel auch noch ganzseitige Rätsel beifügen. Nicht nur, dass es mir hilft, den unfreiwilligen langen Aufenthalt in der Wohnung zu erleichtern. Nein, es bietet auch ein gutes Gehirntraining und bereitet mir eine Menge Freude, das Jumbo-Rätsel zu lösen; obwohl ich gestehen muss, dass ich es ehrlich nicht schaffe, alle gesuchten Begriffe einzutragen, ohne auf die Lösung zu spicken.

Abgesehen von dem täglichen Freizeitvergnügen finde ich es großartig, dass Sie weiterhin eine Zeitung zur Verfügung stellen, deren Artikel gut recherchiert und hoch informativ sind. Vielen Dank dafür an Alle, die für das Zustandekommen Verantwortung tragen. Nicht zuletzt möchte ich auch all den Austrägerinnen und Austrägern meinen Dank aussprechen, die Tag für Tag dafür sorgen, dass die Zeitung pünktlich im Briefkasten liegt.

Harald Hermes, Mannheim

AdUnit urban-intext3

In sich schlüssig sind die Verständigungsbeschlüsse des Bundes und der Länder wirklich nicht. Das Ganze ist selbst für die betroffenen Betriebe schwer nachvollziehbar – und erst recht nicht für den Kunden. Die Zusammenkünfte in Kirchen, Synagogen und Moscheen bleiben untersagt trotz des verfassungsrechtlich hohen Wertes der Glaubensfreiheit, was insbesondere der neue Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, nicht ohne Grund kritisierte, wobei er auf die Möglichkeit der Einhaltung der Sicherheitsstandards hinwies.

Unverkennbar zeigt der bayerische Ministerpräsident Söder, wie wichtig er sich gerade in derartigen Krisenzeiten fühlt. Vom Gesundheitsminister Jens Spahn war in den Berichten eher weniger die Rede gewesen. Jetzt muss alles in Rechtsnormen umgesetzt werden, die der Nachprüfung standhalten. Das Nachrichtenwesen blieb ja ehedem wie der Fels in der Brandung von allem wenig betroffen, so dass wir qualitativ wie immer vom „MM“ unterrichtet waren und dies bleiben.

Mathias Wagener, Mannheim

AdUnit urban-intext3

Die Aborigines in Australien leiten ihre Herkunft und ihre Mythen von der sogenannten Traumzeit ab. Ein faszinierender Begriff, der positive Assoziationen weckt. Auch in Deutschland gab es mal eine „gewisse Traumzeit“ und die war vor nur 50 Jahren tatsächlich noch existent. Der Staat war nämlich noch beteiligt und verantwortlich für unsere systemrelevanten Einrichtungen. Nicht nur die medizinisch, pharmazeutische Versorgung und die Alten und Pflegeheime wurden nach den Bedürfnissen geführt, nein auch die Strom- und Energieversorgung, das Telefon und Postwesen, die Bahn und andere wichtige Grundversorgung waren nicht dem Profitzwang unterworfen beziehungsweise wurden nicht als Beutegut auf den Markt geworfen.

Eine wahre und wohl unwiederbringliche Traumzeit, von heute aus betrachtet. Noch traumhafter übrigens noch mal 20 Jahre vorher im Parteiprogramm der Mannheimer CDU von 1945 Punkt zehn: „...Das Verkehrswesen, die Rohstoffgewinnung und Energieerzeugung sind grundsätzlich Angelegenheiten des öffentlichen Dienstes...“ Punkt elf: „...Dagegen ist die Vorherrschaft des Großkapitals, der privaten Monopole und Konzerne zu brechen...“

Neoliberale Ideologen haben mit Zauberwörtern wie Deregulierung und Entbürokratisierung den alle Probleme lösenden Markt zum Gott erklärt. Man hat den Staat erfolgreich abgemagert und ausgehungert (Privatisierungen), zum Teil sogar zur Plünderung freigegeben (zum Beispiel Cum Ex). Und jetzt, wo man in der Krise nackt dasteht, schreien selbige „Wanderprediger“ ganz laut nach der Hilfe des Staates, der alles richten soll.

Erst notleidende Banken (Lehmannpleite), dann die bornierte Autoindustrie und jetzt sogar die komplette Wirtschaft. Dass uns diese Marktradikalität mit ihrer einhergehenden desaströsen Umweltzerstörung nun sogar an den Rand des Abgrunds geführt hat, dafür ist natürlich, wie immer hinterher, niemand verantwortlich. Aber trösten wir uns, – wir hatten ja auch eine Traumzeit, die zwar heute fast schon sozialistisch anmutet, aber eigentlich doch nur soziale Marktwirtschaft war.

Karlheinz Sausbier, Mannheim

AdUnit urban-intext3

Interessant, der Leitartikel von Werner Kolhoff! Der Stoff, hervorgerufen durch die gegenwärtige Corona-Krise, geht aber weit über die momentane Problematik hinaus und hat Geschichte. Ein englisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: „A friend in need is a friend in deed“, frei übersetzt: „Wahre Freunde erkennt man in der Not“ und da sieht es mit unserm Lande nicht gerade gut aus. Wenn erst die Propagandaexperten aus Russland und China ihre Maschinen anwerfen müssen, um Lkw und Flugzeuge mit medizinischer Ausrüstung nach Italien loszuschicken, zeigt das den Mangel an Solidarität auf der einen Seite und auf der anderen die Schlafmützigkeit, um nicht zu sagen das Versagen der deutschen Außenpolitik.

Der medizinische Aspekt ist nur einer – und er wird in den hauptbetroffenen Ländern nicht in Vergessenheit geraten. Noch gravierender werden sich die finanzpolitischen Entscheidungen im Danach auswirken. Da es sich, wie Kolhoff schreibt, nicht um haushaltspolitischen Schlendrian, der dann wirtschaftlich notleidenden Länder handeln wird, um aus der mit Sicherheit folgenden Wirtschaftskrise herauszukommen, müssen andere Instrumente zum Tragen kommen. Der Hinweis auf den ESM taugt dabei nicht.Was für ein Verständnis von Solidarität haben Merkel, Merz und Konsorten, wenn sogar das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sogenannte Corona-Bonds für das beste Instrument zur Bekämpfung der ökonomischen Folgen der Covid-19-Pandemie hält? Zitat Michael Hüther, Direktor des IW: „Ohne eine gemeinschaftliche Krisen-Anleihe sehe ich schwarz für die Europäische Union.“ Das ist der wirtschaftliche Aspekt. Nach meinem Empfinden ist der Zerfall der Europäischen Union bereits voll im Gange. Die Corona-Krise offenbart ein kleinkariertes nationales Denken, das unter anderem seinen Ausdruck darin findet, zu glauben durch das Herunterlassen der Schlagbäume an den Grenzen sei das Virus zu stoppen. Reiner Aktionismus! Eine Äußerlichkeit im Vergleich dazu, was sich im rechtlichen Bereich abspielt. Unverfroren wird die Axt an demokratische Grundprinzipien angesetzt. In Ungarn wird per Notverordnung regiert, in Polen auf subtile Weise das Rechtssystem ruiniert. Wenn sogar der Doktorvater des polnischen Präsidenten diesen als Rechtsbrecher bezeichnet, dann spricht das Bände!

Karl Sinn, Mannheim

Mehr zum Thema

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren