Der Buga-Park als Thema

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Leserbrief-Schreiber: Walter Rippberger
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Das Spinelli-Gelände in Mannheim: Die ersten Bäume für die Bundesgartenschau werden gepflanzt. © Langscheid

Zum Artikel „Ärger um Baumarten im Buga-Park“ vom 19. April:

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Schon wieder die Grünen mit ihrem Verbotsfetischismus! Die paar Exoten, die auf dem Buga-Gelände gepflanzt werden, sollen also der heimischen Tierwelt den Garaus machen. Alle, alle, alle Baumarten, die gepflanzt werden sollen, waren, bis sie von den Eiszeiten ausradiert wurden, über Millionen und Millionen Jahre bei uns heimisch. Die Braunkohlelager in Deutschland bestehen zu einem Großteil aus den Überresten von Sumpfzypressen und Mammutbäumen, und es ist eine absolute Mär, dass sie keinen Lebensraum böten für einheimisches Getier. Wer das nicht glaubt, sollte doch einmal in den Luisenpark gehen und die Insekten und Vögel beobachten. Insekten und Vögel gehen doch in Europa nicht zurück wegen der paar Exoten, die in Parks irgendwo herumstehen, sondern wegen bestimmter landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden.

Außerdem, wenn ich in einen Park, eine Bundesgartenschau zumal, gehe, will ich nicht tausendmal die immer gleichen Buchen und Eichen und Birken sehen, sondern das Interessante, das Ungewöhnliche, das ästhetisch besonders Reizvolle, ja das Wunderschöne. Welcher einheimische Baum reicht an Schönheit, Grazie und Eleganz an einen blühenden Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) aus Amerika, an einen blühenden Taschentuchbaum (Davidia involucrata) aus China, an einen blühenden Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) aus Amerika, an eine weißblühende gelbe Robinie (Robinia pseudoacacia frisia) aus Amerika, an eine zweihundertjährige Zeder aus dem Libanon wie die in Weinheim oder Bad Homburg?

Und die Grünen und der BUND, die selbst ernannten Scharfrichter der politischen Meinung, wollen uns, der deutschen Bevölkerung, all das vorenthalten? Was für eine armselige Haltung!

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Was bieten sie uns stattdessen? Gänseblümchen und Löwenzahn so weit das Auge reicht anstatt einer bunten exotischen wunderschönen Blumenpracht.

Warum nicht einige „exotische“ Baumarten? Auch Kartoffel war ja einmal „exotisch“, die Kartoffel ist zwar kein Baum, aber sie wächst ja im deutschen Boden! Auch in der Baum-Landschaft ist mehr multikulti wünschenswert. Bäume wie BanyanTree, Tamarinde, Mayflower können auch in Deutschland wachsen. Das Wetter ist ja auch nicht das, was es einmal war. Es wird wärmer.

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Der nicht nur im Rathaus grassierende Buga-Hype geht nun also ins Detail: Nach Seilbahn, künstlichem See oder Panoramasteg wird nun eine Nummer kleiner diskutiert. Es geht um Bäume. Genauer um einheimische oder eher exotische Gewächse, wobei sich bei Letzteren überraschender Widerstand abzeichnet.

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Nicht nur die Hard-Core-Retter der Welt‚ BUND und Nabu, auch die Fontagnier-Truppe meldet Bedenken an. In seinem Kommentar greift „MM“-Redakteur Langscheid, dem langjährigen Leser dieser Zeitung eher bekannt als Herr über Lenkstangen und Lastenfahrräder, den Widerspruch zwischen den Träumen in unserem Rathaus und der Realität der Gegebenheiten recht umfänglich auf und kommt zu dem Schluss, das Prestigeprojekt der Stadt Mannheim stelle den wohl größten Eingriff in die Natur dar.

Das mag wohl so sein, doch in Wirklichkeit geht es doch noch eine Nummer größer: die bevorstehende Abholzung einer der größten und ältesten Flussauen Deutschlands, des Waldparks. Die Betroffenheit zu diesem Thema hält sich bisher allerdings in Grenzen. Das ist erstaunlich, hat doch die verheerende Flutwelle von Fukushima nicht nur für unsägliches Leid in dieser Region gesorgt, sondern auch den Grünen das 5. Dezernat in der Mannheimer Stadtverwaltung in die Hände „gespült“. Mit einer Frau Kubala hochkarätig besetzt, blieben deren Reaktionen sowie die der „Berufsbetroffenen“ mehr als schmallippig.

Diese vom Karlsruher Regierungspräsidium verordnete drohende Umweltkatastrophe lässt die Frage nach der Anzahl exotischer Gewächse auf dem Buga-Gelände ziemlich „exotisch“ erscheinen. Ich setze meine ganze Hoffnung auf die neue Umweltdezernentin Frau Pretzell, der es bestimmt nicht egal sein kann, ob sie demnächst ihren Kinderwagen unter dürren nichteinheimischen Gewächsen oder im Schatten jahrhundertealter einheimischer Bäumen spazierenfährt.

Dass am äußeren Rand des Spinelli-Plateaus wertvolle Zierbäume wie Freeman-Ahorn, Magnolie, Tulpenbaum und Geweihbaum gepflanzt werden, wäre wohl sehr lobenswert. Doch leider handelt es sich um frische bis feuchte, nahrhafte Böden liebende Gehölze, die am Naturstandort viel mehr Regen gewohnt sind als die sommertrockene Sandwüste der Buga zu bieten hat. Es wird nicht genügen, diese Bäume „zu Beginn“ mit Wassergaben zu versorgen – sie werden im Laufe von Jahren vertrocknen. Zumal die Standorte in den Feudenheimer und Käfertaler Parkschalen liegen, wo sich kaum ein schattensuchender Besucher hin verirrt. Geldverschwendung im Zeitalter des Klimawandels!

Leider fehlt in dem Artikel, dass erstmal die vorhandenen Bäume so mir nichts, dir nichts letztes Jahr gefällt wurden. Mir fielen erst nach einer Weile die Lücken auf, als sie größer wurden. Ich fahre da jeden Morgen und Nachmittag, von Arbeitern und Absperrungen war da nichts zu sehen. Und jetzt berichten Sie, die Stadt pflanzt die ersten 100 Bäume! Und dann lassen sich Frau Pretzell und Herr Roeingh auch noch vor so einem mickrigen Ersatz fotografieren. Die Sorte Bäume wurde vor Jahren als Ausgleichsgrün, welches jetzt hauptsächlich Schottersteine sind, an der Endhaltestelle Feudenheim gepflanzt und sind seitdem nicht gewachsen. Die „Baumkronen“ sind zum Schattenspenden offensichtlich nicht gedacht. Blätter könnten ja Arbeit machen, das Geld gibt die Stadt lieber für Prestigeprojekte aus, wie Buga. Die Bürger werden immer mehr für dumm verkauft.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3n1IxYe