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Zum Beitrag „Kohle-Aus schon früher?“    Dem Weg des Geldes folgen

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Das Mannheimer Grosskraftwerk (GKM) erzeugt mit Steinkohle Strom für rund 2,5 Millionen Menschen, Gewerbe und Industrie sowie Fernwärme für rund 120 000 Haushalte durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). © dpa

Zum Artikel „Kohle-Aus schon früher?“ vom 22. August: 

Mit großem Interesse habe ich heute die beiden Artikel im „MM“ zu den Forderungen der Mannheimer „Fridays-for-Future“-Gruppe und den Reaktionen darauf gelesen. Ich muss sagen, dass ich von Ihrer Berichterstattung enttäuscht bin.

Sie kündigen den Artikel als Teil einer Serie an, in der „Betroffene und Experten“ die Forderungen bewerten. Doch diese Ankündigung setzen Sie nicht um. Ja, die Forderungen von „Fridays for Future“ drucken Sie ab. Und dann folgen mehrere Spalten lang Reaktionen des GKM und seiner Besitzer sowie des GKM-Betriebsrats. Wo bitte ist die Stellungnahme der angekündigten Experten? Dass Besitzer und Betriebsrat des GKM von den Forderungen nicht begeistert sind, ist nun wirklich nicht überraschend.

Die Forderung eines deutschen Kohleausstiegs bis 2030 stellt „Fridays for Future“ deutschlandweit schon seit längerem auf. Sie befindet sich im Einklang mit dem Ziel des Klimaschutzabkommens von Paris, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das in diesem Jahr vom Bundestag verabschiedete „Kohleausstiegs-Gesetz“ ist in Bezug auf dieses Ziel absolut unzureichend. Im Gegenteil ist es faktisch ein „Kohlebetriebs-Sicherungsgesetz“, das man wegen dem schlechten Image nur nicht offen so nennen konnte.

Ich schreibe das hier nicht als meine Einzelmeinung, sondern weise darauf hin, dass zahlreiche Klima-Experten, zum Beispiel Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, auf die Unzulänglichkeit des Gesetzes hingewiesen haben. Wären in Ihrem Artikel Experten zu Wort gekommen, hätte eine Einordnung der Aussagen vonseiten des GKM in den Rahmen der Klimakrise erfolgen können. Dann wäre deutlich geworden, dass wir so nicht weitermachen können.

Was mich außerdem irritiert, ist Ihre merkwürdig distanzierte Berichterstattung. Da gibt es „Aktivisten“ und „Betroffene“, so als sei der Klimawandel irgendein Randphänomen. Bei der Corona-Krise sieht das ganz anders aus: Hier betonen Sie immer wieder, wie sehr wir doch alle davon betroffen sind und dass wir alle etwas tun müssen, um die Krise einzudämmen. Hier fehlt es nicht an Appellen.

Wenn Sie sich einmal mit dem aktuellen Stand der Forschung zur Klimakrise beschäftigen, werden Sie feststellen, dass dieser deutlich kritischer ist, als noch vor einigen Jahren angenommen. Wenn die Entwicklung derart weitergeht, wird sich mancher in einigen Jahren die Corona-Krise als vergleichsweise überschaubares Problem zurückwünschen.

Hören Sie also auf, das offenbar heiß geliebte GKM zu verteidigen, dessen Betrieb die Klimakrise weiter anheizt. Recherchieren Sie doch mal, warum in Deutschland jede Menge Arbeitsplätze bei Solar- und Windkraftfirmen verloren gegangen sind und immer noch gehen, während der Staat den großen Energiekonzernen Milliarden Euro hinterherwirft. Wer profitiert davon wirklich? Kleiner Tipp: Folgen Sie dem Weg des Geldes.

Holger Förter-Barth, Frankenthal

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3gt7R4w

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