Das schreibt ein Leser zur Wohnungspolitik der Mannheimer GBG

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Leserbrief-Schreiber: Karl-Heinz Royen
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Zum Artikel „Schritt in ein neues Leben – Vorhaben mit Hindernissen“ vom 30. Januar:

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Die Letzten werden die Ersten sein – die ins Gras beißen. Die GBG betreibt Wohnungspolitik nach dem selbst gesetzten Grundsatz, dass sich jede Investition, gleichgültig ob mit oder ohne Kreditfinanzierung und für Alt- und Neubau gleichermaßen, in maximal 20 Jahren amortisieren muss. Warum nicht 30 oder 40 Jahre, so dass sich die monatliche Belastung für Mieter reduzieren würde?

Rein betriebswirtschaftlich mag eine solche Politik rational sein. Eine Wohnungsbaugesellschaft, die sich gemeinnützig nennt, treibt damit jedoch die Mietpreise selbst in die Höhe. Ergebnis: Dann gibt es eben nicht so viel Sozialwohnungen. Jeder dieser Kollateralschäden hat einen Namen, im geschilderten Fall handelt es sich zum Beispiel um Frau W. Sie und ihre Kinder finden Aufnahme in einem Mannheimer Frauenhaus und sind erst einmal geschützt. Nun geht es aber darum, der Familie eine Lebensperspektive und die Chance auf einen Neustart zu eröffnen, und dazu bedarf es zuallererst einer geeigneten Wohnung.

Ohne unabhängige Vertreter

Für Frau W. jedoch, da sie eine Person mit sogenanntem Migrationshintergrund ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist, tun sich zunächst unüberwindliche bürokratische, Hindernisse auf: Man sagt ihr, sie benötige zuerst eine „Zuzugsgenehmigung“, für diese bedürfe es wiederum bestimmter „Integrationsvoraussetzungen“, bevor sie nach einer Wohnung suchen könne.

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Ein Jahr später, im September 2020, hat Frau W. endlich diese Zuzugsgenehmigung. Um sich jedoch für eine Sozialwohnung bei der GBG anmelden zu können, müssen Bewerberinnen einen Wohnberechtigungsschein vorweisen und dieser wiederum setzt voraus, dass die Betreffenden mindestens zwei Jahre in Mannheim gemeldet waren. Diese Regelungen sind Gegenstand des Kooperationsvertrages zwischen der Stadt Mannheim und der GBG, der 2020 vom Gemeinderat verabschiedet wurde.

Dieser Kooperationsvertrag stellt nur eines sicher, dass Mieter und Wohnungssuchende mit Sicherheit und kontrolliert im Interesse der Kooperierenden außen vor bleiben – jemand wie Frau W. hat keine Chance. Solange in Mannheim, Vertreter der Stadt (MWSP und GBG) und Immobilienhaie an einem Tisch sitzen und sich gegenseitig Beutestücke vom Wohnungsmarkt zuschieben, wird sich an solchen Verhältnissen wie für Frau W. nichts ändern.

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Der Verweis darauf, dass auch Vertreter des Mieterbundes ab und zu mit am Tisch sitzen, zieht nicht – fast alle davon sind Parteienvertreter der SPD. Unabhängige Vertreter von Mieterinteressen müssen leider draußen bleiben… Karl-Heinz Royen, Mannheim

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Info: Originalartikel unter http://bit.ly/2NXrfxM