Leserforum Das schreiben Leserinnen und Leser zum Thema Corona

Lesedauer: 
Ein Zeppelin mit der Aufschrift „bliev zohuss“ (Kölsch für „Bleib zu Hause“) fliegt über dem Dom. Der Karneval fällt in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie aus. © dpa

Zum Thema Corona:

AdUnit urban-intext1

Wie wir mittlerweile wohl alle wissen, ist Mobilität die einzige Möglichkeit, um das Coronavirus zu verbreiten. Unsere Regierung spricht auch schon viele Wochen von der Angst, neue Mutationen könnten schneller beschleunigen, als es das Impfen aufhalten kann. Fazit: Man sperrt uns seit vielen Wochen mehr oder weniger ein, erteilt Ausgangssperren und legt alles lahm, was nur irgendwie geht, egal wie sehr man sich auf jegliche Hygienemaßnahmen eingestellt hat, in der Hoffnung, unsere Inzidenzzahlen zu senken, was ja mittlerweile auch größtenteils funktioniert hat.

Diese Zahlen könnten aber schon viel weiter unten sein, wenn unsere Regierung nicht touristische Reisen gestattet hätte. Nicht immer wird bei der Rückkehr getestet und auch nicht kontrolliert (schon gar nicht bei Autofahrten, auch aus Risikoländern), ob verhängte Quarantänen eingehalten werden. Von draußen bringen wir doch die Mutationen mit. Sie hätte sonst nicht gerade ausbrechen können. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst die Außengrenzen zu schließen und dann Maßnahmen im inneren Deutschlands zu treffen? Der Erfolg wäre auf jeden Fall größer. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Menschen es langsam leid sind, die schon sehr lange verhängten Sperren weiterhin einzuhalten. Aber das nennt sich wohl Politik. Marliese Eichert, Brühl

Seit Ende Dezember sind die gefährlichen Mutationen von Covid-19 in Großbritannien, Brasilien, Südafrika bekannt. Aber anstatt konsequent die Einreisen aus diesen Ländern zu sperren, wurden halbherzige Test- und Quarantäneregelungen eingeführt. Testdokumente, die gefälscht das Einreisen erleichtern und Quarantäne, die angeordnet, aber nicht überwacht wird. So müssen wir uns nicht wundern, dass es inzwischen in ganz Deutschland Ausbrüche der Mutationen gibt.

AdUnit urban-intext2

Vom 1. bis 26. Januar sind in Deutschland (laut deutscher Flugsicherung) 1601 Ankünfte von Flügen aus den aktuell fünf Hochrisikoländern verzeichnet worden. Also 62 pro Tag! In einer Zeit, in der Besprechungen oder größere Konferenzen weitestgehend per Videoschalte stattfinden, ist ein derartiger Flugverkehr absurd, geradezu sträflich! Ungeachtet dessen gibt es immer noch Politiker, welche der Meinung sind, die Maßnahmen seien überzogen (zum Beispiel Graf Lambsdorff) und man müsste stattdessen bei der Abreise konsequent testen.

Dass in einigen Ländern bereits ein florierender Schwarzmarkt für negative Coronatests blüht und wir dies sicher nicht abstellen können, wird ausgeblendet. Freiheit muss dort begrenzt werden, wo sie für andere Menschen zur Gefahr wird. Peter Krebs, Mannheim

AdUnit urban-intext3

In der derzeitigen Diskussion um Impfprivilegien gefallen sich manche darin, mit Bemerkungen wie „Das ist zum Totlachen“ (Capitol-Chef Riehle) oder „ungeheure Diskriminierung, Unverschämtheit“ (Dieter Thomas Kuhn) gegen mutmaßliche und angedachte „Privilegien“ von Corona-Geimpften Stimmung zu machen. Dabei verkennen sie, dass schon heute aus sachlichen Gründen Geimpfte Privilegien genießen – für Afrika-Urlauber ist dies zum Beispiel der Fall, da spricht auch niemand von „Diskriminierung“ dass man als Ungeimpfter nicht einreisen darf. Und viele scheinen völlig vergessen zu haben, dass ab März für Schulen und Kitas eine Masern-Impfpflicht besteht und ohne Impfung man keinen Kita-Platz erhält.

AdUnit urban-intext4

Werden da die jetzt nicht gegen Masern geimpften Kinder nicht auch diskriminiert – oder wo ist da jetzt der Unterschied? Oder ist Masern schlimmer als Corona? Und wenn ich letztendlich das Risiko auf mich nehme, mich impfen zu lassen, andere sich aber einfach mit kruden Theorien verweigern – warum sollen beide gleichgestellt werden? Jürgen Dörr, Mannheim

Nun tragen wir alle medizinische Masken und FFP2-Masken, genauso wie die Leute, die im Krankenhaus auf den Stationen mit den gefährlichen Infektionen das schon jahrelang tun. Das Personal im Krankenhaus lebt schon seit vielen Jahren mit Viren. Warum können wir draußen nicht auch mit den Viren leben? Warum können wir nicht in Konzerte und Museen gehen und dabei unsere Masken tragen und leben? Warum können wir mit diesen Masken nicht unsere kranken Angehörigen in Heimen und Krankenhäusern besuchen? Warum müssen diese hilfsbedürftigen Menschen vegetieren, statt zu leben?

Ach ja, in den Pflegeheimen sind viele Menschen gestorben, viele Plätze sind frei geworden. Nun müssen wir dafür sorgen, dass diese Plätze auch ganz schnell wieder gefüllt werden ... Thea Gauer, Mannheim

Als ich den Artikel „Schärfere Regeln nach Mutation?“ gelesen habe, war ich für einen Moment sprachlos. Warum ist es nötig, ein Bild der Ayslbewerberunterkunft und die Bildunterschrift „Der Mann mit der Virusmutation lebt in einer Ayslbewerberunterkunft“ in den Mittelpunkt des Artikels zu stellen? Es geht vor allem um das mutierte Virus, nicht um die Asylbewerberunterkunft! Was wäre, wenn es sich um einen Pfleger aus Oggersheim gehandelt hätte, der mit der Mutation infiziert worden wäre? Ich bezweifle, dass dann ein Bild des Krankenhauses oder Altenheims abgedruckt worden wäre.

Mit einer solchen Pointierung auf die Asylbewerberunterkunft wird nichts weiter als Hass auf Geflüchtete und Unverständnis produziert, was populistische Kräfte geradezu befeuert. Das ist genau das Gegenteil von dem, was bei dieser weiteren Herausforderung gebraucht wird: nämlich ruhige Nerven, Solidarität und Rationalität. Es kann wirklich nicht der Anspruch des „Mannheimer Morgen“ sein, eine solch polarisierende Berichterstattung auch noch zu fördern. Paula Schmidt, Mutterstadt

Wie kann es denn sein, dass ausgerechnet die E-Mail mit der Anmeldung des Autokorsos gegen Corona-Maßnahmen nicht angekommen ist. Mit welcher Begründung wurde der Korso aufgelöst? Müssen die Autos neuerdings auch Masken tragen? Oder bricht die letzte Säule unserer Demokratie, der Rechtsstaat, zusammen? Ich frage mich, wieweit unsere Grundrechte noch mehr eingeschränkt werden sollen? Wieweit soll die Zerstörung unserer Wirtschaft, unserer Kultur, unserer Kinder und unserer Gesellschaft allgemein noch gehen? Die Kollateralschäden sind bereits immens! Oder hat der Journalist R. Tichy recht, wenn er sagt, dass wir aus lauter Angst vor Tod Selbstmord begehen? Tamara Bill, Mannheim

Mehrere Vertreter von Wirtschaftsverbänden fordern eine „verbindliche Exit-Strategie“ oder einen „Fahrplan für Lockerungen, wo immer sie auf Basis verlässlicher Daten über das Infektionsgeschehen möglich würden“. Genau: „verlässliche Daten“. Die gibt es leider nicht, deshalb müssen sich die Regierenden etwa im Wochenabstand treffen, um flexibel auf die aktuelle Situation zu reagieren. Und nicht sie verursachen das Infektionsgeschehen.

Zunächst einmal ist Corona ein Naturgeschehen, das unveränderlichen Naturgesetzen folgt. Aber das wird gerne negiert, man sucht lieber nach Verantwortlichen, die die Misere erzeugt haben – am einfachsten ist da die Regierung. Aber verantwortlich für die Ausbreitung des Virus sind ursächlich die Menschen – wir, die Bürger, die das Virus durch Ansteckung verbreiten und die sich mehr oder weniger verantwortlich verhalten. Und wegen weniger müssen unsere Repräsentanten versuchen, das Verhalten durch verpflichtende Verordnungen sinnvoll zu steuern.

Und das kann im Einzelnen nicht das Parlament mit 709 Mitgliedern. Das Parlament kann nur einen Rahmen vorgeben, wie geschehen. Die Suche nach Verantwortlichen – das führt zu folgenden Äußerungen eines Wirtschaftsvertreters im gleichen Artikel: Er sieht die Politik in der Pflicht, für Umsatzausfälle aufzukommen. „Jeder Euro, der fehlt, muss entschädigt werden.“ Das zeigt auf groteske Weise die verfehlte Suche nach Verantwortlichen. Wie bereits gesagt, die Regierenden haben die Pandemie nicht erschaffen.

Immer wieder heißt es, um eine Lockerung notwendig zu machen: „Die Nerven liegen blank.“ Das gilt sicher für viele, die extrem belastet sind – aber was wäre, wenn es eine dritte Welle gäbe mit der stärker infektiösen Virusvariante, die noch stärkere Einschränkungen erforderlich machte?

Nun wird vor allem die Terminvergabe für Impfungen heftig kritisiert und vergessen, dass die Entwicklung weit schneller gelang als bei anderen Impfstoffen. Es ist doch klar, dass nicht in wenigen Wochen eine Million Dosen erzeugt werden können für einen eben erst entwickelten und zugelassenen komplexen Wirkstoff. Oder Milliarden, wenn man gleiches Recht für alle Menschen gelten ließe. Für die Menschen in Ländern, die sich das Wettbieten um Impfstoffe nicht leisten können und letztlich dafür sorgen würden, dass das Virus bei uns re-importiert werden würde.

Man kann im Einzelnen viel kritisieren; aber man sollte auch das große Ganze im Auge behalten und die Tatsache, dass die Regierungen – und wir selbst – uns in einer Situation befinden, die so noch nie da war und für die uns jede Erfahrung fehlt. Das große Ganze: Dazu gehört auch der Blick auf die anderen Nationen und da schneiden wir in Deutschland – und unsere Politiker – ziemlich gut ab. Wolfgang Buchholz, Mannheim

„Warten auf … NTM …“ nennt sich der Slogan der Plakatkampagne unseres Nationaltheaters. Und in der Tat, wir warten seit den beiden Lockdowns schon seit Monaten – nun scheint sich auch in Mannheim etwas abzuzeichnen, was deutschlandweit seit dem Frühjahr letzten Jahres vielfältig praktiziert wird. Die Theater sind präsent. Überall wird gespielt und gestreamt. Jetzt auch in Mannheim, unser NTM spielt und streamt – ist wieder da. Endlich!

Dass Kultur Nahrung für die Seele, Inspiration für den Geist und Fantasie und Kreativität wichtiger als Wissen sind (Albert Einstein), ist nicht nur das Credo von Kulturschaffenden. Uns fehlt keineswegs nur das Salz in der Suppe, uns fehlt gerade in dieser Zeit, das was die Gesellschaft zusammen hält, das Theater, das Konzert, die Performance, die Ausstellung. Das berühmte Schillerwort: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ erhält in diesen Zeiten eine ganz besondere Bedeutung. Aber für jede Form von Freiheit musste man schon immer kämpfen. Und das tun seit Monaten in ganz Deutschland nahezu alle staatlichen, kommunalen und freien Theater, Orchester, Tanzgruppen und so weiter. Sie spielen, sie streamen, sie sind da! Sie zeigen sich und ihr Können, kreativ und solidarisch. Erst kürzlich berichtete der „MM“ über die mittlerweile 30. Show der Streaming Reihe „Rockt zu Hause“. Ella und Louis streamen, Musikalische Akademie streamt, Felina streamt, Capitol streamt, Schatzkistl streamt, Rhein-Neckar-Theater streamt und viele Einzelkünstler…

Schaute man bisher in die einschlägigen bundesweiten digitalen Theater- und Konzert-Portale, so war man überwältigt, was sich in der Kunst- und Kulturszene deutschlandweit inzwischen Neues tut – wohlgemerkt bei geschlossenen Häusern. Aber mit kreativen Ideen. Ideen, die aus der Sehnsucht und der Liebe zum Theater, der Musik, dem Tanz und so weiter entstanden. Es schmerzte bislang, die drei Buchstaben NTM nirgendwo zu finden. Aber jetzt, jetzt hat sich das Warten gelohnt. Helen Heberer, Mannheim

Das soll jetzt die Antwort des Ethikrates sein? Mir stehen die Haare zu Berge! Wie es scheint, ist diesem Ethikrat nicht klar, was in der Pandemie wirklich zählt. Daher erlaube ich mir Folgendes ins Gedächtnis zu rufen: Die Ausbreitung von Corona-Viren und deren Mutanten verhindern, erreiche ich am besten, wenn so viele Menschen wie möglich geimpft werden. Es geht um Menschenleben! Es geht um größtmöglichen Schutz aller vulnerablen Gruppen und schnellstmögliche Öffnung der Schulen und gleichzeitiger Schutz aller Menschen, nicht nur vor Ort.

Es ist zwingend erforderlich, die Zeit des Lockdowns so kurz wie möglich zu halten, denn es geht um Existenzen. Der Mittelstand, die Säule unseres Staates, wird täglich weiter dezimiert, indem der Lockdown unnötig hinausgezögert wird, wenn nicht konsequent geimpft wird. Wenn das Tempo des Impfens so weiter geht, dann wird der Lockdown bis zum Nimmerleinstag fortgeführt werden müssen. Dies kostet unnötige Arbeitsplätze.

Die ersten Daten stimmen sehr zuversichtlich, dass durch die Impfung eine Ansteckung durch Geimpfte verhindert werden kann. Daher ist um so weniger vermittelbar, dass es der Ethikrat offenbar wichtiger findet, dass sich ungeimpfte Personen vielleicht ungerecht behandelt fühlen könnten.

Sollte er nicht besser dafür plädieren, dass geimpften Personen wieder ihre Grundrechte zugestanden würde, und so all denen einen Motivationsschub für das Impfen geben, die noch nicht geimpft sind? Ich bin mir sicher, dass alle Wirtschaftszweige, die wegen Corona am Abgrund stehen, erfreut wären, wenn sie zumindest für die Geimpften öffnen dürften. Warum wird in Deutschland eine konstruierte Diskussion über die Impfpflicht geführt, wenn Impfverweigerer ganz bewusst den Tod ihrer Mitmenschen in Kauf nehmen dürfen?

Der kategorische Imperativ fordert, dass die Freiheit des Einzelnen da endet, wo die Freiheit des Anderen eingeschränkt wird. Welche Einschränkung der Freiheit ist radikaler, als dem Mitmenschen das Leben zu nehmen, bewusst oder auch fahrlässig? Ich frage Sie, wie hoch muss der Elfenbeinturm sein, in dem unser Ethikrat sitzt, um eine solche Antwort zu geben? Martin Strickfaden, Mannheim

Die letzte Senkung der Mehrwertsteuer 2020 zur Ankurbelung des Konsums verpuffte wie ein Wassertropfen auf einer heißen Herdplatte. Nun wurde in kleiner Runde im Koalitionsausschuss wieder so ein Schnellschuss beschlossen: Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie auf sieben Prozent bis Ende 2022.

Warum wieder nur die Gastronomie? Warum nicht für Friseure und andere ähnliche Dienstleistungen? Warum nicht auch für den Einzelhandel, der ebenfalls keine Einnahmen hatte. Die Ungleichbehandlung der Branchen ist nicht nachvollziehbar und schafft berechtigten Unmut und Unverständnis. Und was hilft eine Senkung der Mehrwertsteuer, wenn die Betriebe geschlossen sind und vermutlich viele gar nicht mehr öffnen werden können?

Eine schnellere Auszahlung der Hilfen wäre besser gewesen als diese Einnahmeverbesserung in der Zukunft. Mit Erwartungen kann man nicht überleben. Wenn irgendwann Gaststätten öffnen dürfen, müssen sie Ihre Vorräte neu bestellen und auch bezahlen. Womit, wenn seit Monaten Einnahmen und Hilfen fehlen? Da wäre ein Startgeld überlegenswerter gewesen.

Die Kritik zu diesem politischen Schnellschuss mit Wahlkampfgeschmack ist berechtigt. Es stellt sich die Frage, warum nicht vorher solche Überlegungen mit entsprechenden kompetenten Fachleuten und Verbänden abgestimmt werden. Es zeigt sich wieder einmal, dass jede einseitige und unüberlegte Subvention letztendlich mehr Probleme schafft als Lösungen. Und am Ende zahlen die Bürger die Zeche – nicht nur im Restaurant, sondern auch die Kompensation der Mindereinnahmen bei der Mehrwertsteuer. Der Staat selber hat ja kein Geld, er wirtschaftet mit unseren Steuern. Rainer Thiede, Biblis

Einen Buhmann braucht man ja immer! Ich denke, in einer solchen weltweiten Krise, wäre jeder andere Gesundheitsminister auch ins Taumeln geraten. Dagmar Achtstätter, Heddesheim