Corona-Impfung darf nicht spalten

Von 
Leserbrief-Schreiber: Rolf Menz
Lesedauer: 
Teilnehmer sitzen im zweiten Impfzentrum Berlins, im Erika-Hess-Eisstadion, in der Anmeldung für die Impfung gegen das Coronavirus. © dpa

Zum Artikel „Kaum Chance auf Lockerungen“ vom 30. Dezember:

AdUnit urban-intext1

Kaum haben die Impfungen begonnen, ist die Diskussion darüber in Gange, ob Geimpfte bevorzugt werden sollen/dürfen oder nicht – und wie es scheint, ist die Oh-ja-Mehrheit rückhaltlos für die Einräumung von Sonderrechten. Lassen Sie mich eine polemische Mutmaßung anstellen: Dieselbe Mehrheit, die in den 80er Jahren so vehement gegen die aus heutiger Sicht vergleichsweise harmlose Volkszählung auf die Barrikaden gegangen ist und bisher genauso vehement gegen den gläsernen Menschen protestiert hat.

Nun ja, da ging es ja auch nicht um die Gesundheit. Ein kleines, zugegebenermaßen nicht unbedingt harmloses Virus ändert auf einmal die Sicht der Dinge. Plötzlich geht es gar nicht gläsern genug. Gut, dass Politiker früh für Klarheit sorgen. Bundesjustizministerin Lambrecht sagt: „(Es) verbieten sich gegenwärtig Privilegien für Geimpfte.“ Das ist doch eine klare Aussage in Politkersprech: gegenwärtig. Aha! Aber wie sieht es damit in der Zukunft aus? „Wenn allen ein Impfangebot gemacht werden kann...“, fährt die Ministerin fort (und ich interpretiere: nicht von allen wahrgenommen wird), dann sieht es vielleicht – oder schon bestimmt – anders aus.

Dann werden wir uns darauf einstellen müssen, in Zukunft alle Impfunterlagen, Unfall-, Lebens- und Krankenversicherungsunterlagen, alle möglichen Atteste und Testate, den aktuellen Kontoauszug, die Einkommensteuerbescheide der letzten drei Jahre und die Lohnbescheinigungen der letzten drei Monate – alles am besten digital auf dem Smartphone – mit uns zu führen. Nur so können wir dann halbwegs sicher sein, dass man uns in der Nachcoronazeit Zutritt gewährt zu Kneipen, Restaurants, Kinos, Theatern, Fußballstadien, Flughäfen, Bahnhöfen, Einzelhandelsgeschäften, Supermärkten, Verwaltungszentren und so weiter.

AdUnit urban-intext2

Wir wissen ja inzwischen, wie erfinderisch Angst macht. Wollen wir wirklich, dass sich unsere Gesellschaft in diese Richtung entwickelt?

Alles Impflinge – oder: Wie wollen wir leben? „Freiwilliger Impfzwang?“, „Nein, es wird keine Impfpflicht geben!“, „Niemand hat die Absicht!“, „Ich gebe mein Ehrenwort!“: Alles Sprüche von Politikern, die belegen, dass man viele Aussagen mit Vorsicht „genießen“ sollte, denn „was interessiert mich mein Gerede von gestern?“ soll schon Adenauer zum Besten gegeben haben.

AdUnit urban-intext3

Unter keinen Umständen darf es zur Spaltung der Bevölkerung in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von privilegierten „Geimpften“ und von an gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossener „Ungeimpfter“ kommen! Das wäre dann pure „Gesundheitsdiktatur“ à la China, die jedem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat Hohn sprechen würde – dieser Preis wäre einfach zu hoch! Das „Erkaufen“ gesetzlich-verbriefter Grundrechte durch eine erzwungene Impfung wäre unredlich und daher absolut zu verhindern, denn eine Immunisierung muss freiwillig und selbstbestimmt geschehen; denn zur Würde des Menschen gehört unabdingbar die individuelle Entscheidungsfreiheit, die um keinen Preis gegen ein vermeintliches Gemeinwohl ausgespielt werden sollte. Dieses, unser Grundgesetz, ist ein viel zu hohes Gut, als dass wir bereit sein sollten, es hierfür zu opfern!

AdUnit urban-intext4

Warum auch? Der Impfwillige schützt sich ja, mögliche Nebenwirkungen in Kauf nehmend, während der „Unwillige“ – aus welchen Gründen auch immer, die unkommentiert zu akzeptieren sind – eigenbestimmt ein gewisses Risiko eingeht; so gesehen hat alles seinen, jedoch selbstbestimmten Preis – aber genau das ist es, was unsere Art zu leben attraktiv macht.

Info: Originalartikel unter http://bit.ly/3bgEzHj