Corona bleibt zentrales Thema

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Leserbrief-Schreiber: Wolfgang Fuchs
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Beim Hausarzt erhalten Werner (82) und Waltraut Burmeister (87) von Fabian Holbe, Facharzt für Allgemeinmedizin, die erste Corona-Schutzimpfung. Die Praxis fungiert im Landkreis Nordwestmecklenburg als eine Außenstelle der Impfzentren. Das Impfen beim Hausarzt soll Menschen über 80 Jahre, die Wege verkürzen. © dpa

Als Informatiker und Programmierer wundere ich mich, wie schlecht die Seite impfterminservice.de programmiert ist. Wenn ich bereits einen Termin ausgewählt habe (sofern man einen bekommt) und anschließend die erforderlichen Felder ausfülle, ist der Termin nach wie vor auf der Seite ersichtlich und kann von jedem erneut angeklickt und gebucht werden. Das Problem ist nur, der Schnellste hat am Ende den Termin für sich und ältere Leute, die etwas mehr Zeit benötigen, schauen in die Röhre. Auf jeder Internetseite, auf der ich Termine buchen kann (zum Beispiel Arzttermine) ist nach dem Anklicken des Termins dieser sofort geblockt und kann nicht nochmals ausgewählt werden. Darüber sollten Sie mal nachdenken, denn viele Leute sind von dieser Internetseite mittlerweile mehr als frustriert.

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Der Artikel „Bei jedem zweiten Toten steht ,mit Covid-19’ auf dem Zettel“ im „Mannheimer Morgen“ vom 26. Januar veranlasste mich letztendlich zu diesem Leserbrief, nachdem man ja schon seit längerem und auch in diesem Artikel lesen muss, dass der Covid-19-Tod insbesondere bei alten Menschen, nicht zuletzt in Pflegeheimen, reiche Ernte hält. Der Artikel zeigt schonungslos, dass alte Menschen in dieser Gesellschaft keine mächtigen Fürsprecher haben, sonst wären sie gegen das Sars-Cov-2-Virus besser, früher und wirksamer geschützt worden.

Dass dies nicht geschehen ist, liegt auch daran, dass es keine wirklich wirksamen und sinnvollen bundeseinheitlichen Schutzpläne für Pflege- und Altersheimbewohner und in häuslicher Betreuung befindliche alte Menschen sowie deren Pflege- und Betreuungskräfte gibt, sondern viel zu viele Einzelakteure (Heime, Gesundheitsämter, Bundeslandbehörden) und ein Flickenteppich von Maßnahmen und Zuständigkeiten im Bereich Altenpflege und deren entsprechende Einrichtungen. Bei dieser Schutzproblematik hat die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Gesundheit Franziska Giffey total versagt. Mir ist klar, dass der Schutz der Älteren vor dem Sars-Cov-2-Virus nicht in den unmittelbaren Aufgabenbereich der Ministerin fällt.

Aber von einer Bundesministerin, die für Senioren zuständig ist, kann man sehr viel mehr Initiative, Engagement und Energie erwarten, bundesweit gültige Konzepte oder Stufenpläne zur Vermeidung von Sars-Cov-2-Infektionen von alten Menschen zu erarbeiten und zum Beispiel mit ihrem Kabinettskollegen Spahn und ihren Pendants auf Länderebene beherzt und flächendeckend einzuführen. Stattdessen: das Schweigen der Giffey.

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Nach fast einem Jahr Shut- und Lockdown haben es noch immer nicht alle Mitbürger kapiert, dass sie selbst das Coronavirus durch uneinsichtiges und egoistisches Verhalten verbreiten. Völlig ungeniert steht man an den zentralen Haltepunkten, raucht oder wartet auf eine Straßenbahn, ohne Mund-Nasen-Schutz. Das betrifft alle Altersgruppen. Ich finde, das ist ein sträfliches- und kriminelles Verhalten. Warum soll die Mehrheit unter dem leichtsinnigen Verhalten einer Minderheit leiden? Bei so manchem Mitbürger hängt die Maske unter dem Kinn und bedeckt während der Fahrt mit dem ÖPNV nur den Mund. Das ist rücksichtslos. Wie viele Menschen sollen denn noch ihren Arbeitsplatz verlieren, Betriebe und Geschäfte in Insolvenz gehen?

Mannheim ist durch den Lockdown zur fast toten Stadt geworden. Die Zeit ist stehengeblieben. Will niemand von den Unbelehrbaren seine Freunde, Verwandten sehen? Geschweige denn verreisen? Die Schulen, die Kitas geschlossen, all die anderen Geschäfte, die Gaststätten! Die Studenten haben ihre Jobs für Nebeneinkünfte verloren, mit denen sie ihre Miete bezahlen.

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Was in den Nachbarländern passiert, nämlich Schlange stehen und aus der Suppenkelle ernährt zu werden, kann zeitversetzt auch in Deutschland passieren. Das Verhalten wird sich erst ändern, wenn man schmerzhaft zur Kasse bittet. 200 Euro würden für den angerichteten Schaden am Gesundheitswesen und Staat nicht zu hoch sein. Wünschen wir uns wirklich einen Frühling und Sommer im Lockdown? Dann weiter so.