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Leserforum Corona als Thema

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Schnelltests liegen auf einem Tisch im Labor der Drive-in Corona-Teststation Eimsbüttel „Tierpark Hagenbeck“ in Hamburg. In der Teststation können kostenlose Antigen-Schnelltests und PCR-Tests gemacht werde.

Zum Thema Corona und zum Kommentar von J. Quoos „Besser überzeugen“ vom 11. Januar:

Man glaubt es kaum, aber die so dringliche Debatte über die Impfpflicht muss dem Karneval weichen. Unverständlich ist für mich auch, warum der Bundesrat sich nicht früher zusammensetzen kann, denn Karneval wird mit Sicherheit nicht stattfinden. Hoffen wir, dass kein Fußballspiel dazwischen kommt.
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Hans Peter Krieger, St. Leon-Rot
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/33rBVwu

Ich stelle einen Ansatz zur Debatte, der bisher, soweit ersichtlich, noch nicht öffentlich thematisiert wurde. Corona-Patienten belasten die Krankenkassen schwer, ein sechswöchiger Aufenthalt in einer Intensivstation mit Beatmung kostet etwa 60 000 bis 120 000 Euro, die Zahlen variieren von Klinik zu Klinik. Man muss sich vergegenwärtigen, dass im Bereich der Sachversicherung das Prinzip des Mitverschuldens gilt. Anders im Bereich der Krankenversicherung. Das bedeutet, dass jeder schwer erkrankte Corona-Patient das Gesundheitssystem, gleich ob gesetzliche oder private Krankenversicherung, erheblich finanziell belastet.

Die Folge dessen sind erstens massive Beitragserhöhungen. Das bedeutet, deutlich formuliert, dass die Solidargemeinschaft, der Steuerzahler für die Folgen der Erkrankung von Impfverweigerern mit zahlen muss. Ich habe zum Beispiel vor wenigen Wochen einen Bescheid meiner privaten Krankenversicherung erhalten, in dem eine erhebliche Beitragserhöhung wegen der Mehrbelastung durch die Corona-Patienten mitgeteilt wurde. Zweitens blockieren nicht geimpfte Schwerstinfizierte wertvolle Intensivbetten, oft über viele Wochen, und blockieren damit die Stationen für andere, dringend OP-bedürftige Kranke, zumindest für jene, bei denen von vornherein absehbar ist, dass sie nach der OP einige Tage auf einer Intensivstation verbringen müssen.

Kurzum, man könnte Impfverweigerer (zumindest jene, die keinen medizinisch zwingenden Grund haben, der gegen eine Impfung spricht) als Schadensverursacher bezeichnen, für die Krankenkassen, für die Beitragszahler, für die wartenden schwer erkrankten Mitpatienten. Natürlich nur dann, wenn man emotionslos, also rational, argumentieren kann und will. Das möchte offenbar rund ein Viertel der Bevölkerung Deutschlands anscheinend aber nicht. Wie wäre es denn, wenn man das Mitverursacherprinzip in das Krankenversicherungssystem einbauen würde und Impfverweigerer, wenn sie denn schon (was aus humanitären Gründen unbestreitbar erfolgen muss) höchstgradig teure Behandlungen benötigen, sich an den Kosten hierfür in einem bestimmten Grad x beteiligen würden? Wie hoch die Prozentzahl sein müsste, könnten nur erfahrene Versicherungsmathematiker berechnen.

Fazit: Es gilt ein alter Lehrsatz aus dem Staatsrecht. Demokratie ist nicht die Rücksicht der Mehrheit auf die Minderheit, sondern die Rücksicht der Minderheit auf die Mehrheit.

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Martin Schmid, Mannheim
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Mit diesem Kommentar, Herr Quoos, haben Sie sich meines Erachtens ins Abseits auf dem Feld der Pandemie begeben. Ihre Zeilen suggerieren, dass es wohl besser sei, eine allgemeine Impfpflicht gar nicht erst anzugehen, weil möglicherweise die aktuellen Impfstoffe nicht mehr optimal gegen „Omikron“ wirken und weil man sich den Zorn der unbelehrbaren Impfgegner ins Haus holt. Na da blasen Sie ja genau in deren Horn Herr Quoos.

Gute 70 Prozent der Bevölkerung ist geimpft und bald geboostert und sie müssen sich trotzdem weiterhin reglementieren lassen, weil Unbelehrbare auf ihre Freiheiten und Selbstbestimmung pochen oder gar radikal beanspruchen. So geht das aber nicht! Die Freiheit der Geimpften, und das ist nun mal der größte Teil der Bevölkerung, wird durch Querdenker & Co. in unverantwortlicher Weise eingeschränkt. Dagegen müssen wir uns wehren!

Wenn wir nicht riskieren wollen, dass uns die nächste große Welle wieder im Herbst 2022 einholt, dann brauchen wir jetzt die Impfpflicht. Die mitunter selbst von Impfgegnern angesprochene „Durchseuchung“ wäre natürlich auch eine Lösung, noch dazu ohne gesetzliche Vorgabe. Es müsste dann nur jeder Ungeimpfte schriftlich erklären, dass er in jedem Falle auf eine Hospitalisierung verzichtet, da er zu einer Überlastung der Kliniken nicht beitragen will. Aber so viel Selbstbestimmung ist wohl nicht zu erwarten. Der Staat soll sich mehr Mühe geben, laut Herrn Quoos, die Impfgegner zu überzeugen. Das ist nicht nur anstrengend und nervig, das ist nach vielen übereinstimmenden Aussagen und persönlichen Erfahrungen auch vergeblich.

Wenn Jörg Quoos in seinem Kommentar auf die angeblich geringere Gefährlichkeit der Omikron-Variante verweist und damit die Notwendigkeit einer Allgemeinen Impfpflicht in Frage stellt, irrt er. Man kann durchaus berechtigt Gegner einer Impffpflicht sein – aber nicht aus diesem Grund, denn der ist schlichtweg falsch bzw. immer noch eine reine Vermutung. Die weniger schweren Verläufe sind vor allem in Südafrika beobachtet worden, deren Bevölkerung bezüglich der Empfänglichkeit gegenüber schweren Verläufen nicht mit uns vergleichbar ist: Wir sind viel älter und deutlich weniger gegen das Coronavirus immunisiert. Und die viel höhere Ansteckungsrate tut ihr übriges, den vermeintlichen Unterschied zu konterkarieren. Daher wird ohne deutliche Erhöhung der Impfrate und -geschwindigkeit das Gesundheitssystem schon von der schieren Zahl der steigenden Ansteckungen überlastet werden: Intensivstationen und Normalstationen, die sich noch mehr füllen werden. Denn weniger schwerer Verlauf heißt immer noch: massive gesundheitliche Störungen (und Langzeitfolgen).

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Klaus Wolf, Mannheim
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