CO2-Verbrauch als Frage des Lebensstils

Lesedauer

Zum Leserbrief „Zu den Klimaaktivisten“ vom 13. Dezember:

Herr Teichmann spricht von einem Bevölkerungswachstum so, als würde dieses immer schneller zunehmen. Er bezieht sich allerdings nur auf den Zeitraum bis 1927. Statistische Untersuchungen für die Zeit von 1950 bis 2020 zeigen ein ganz anderes Bild. Demnach war das Maximum der Wachstumsrate 1962 erreicht mit 2,2 Prozent Zuwachs der Weltbevölkerung pro Jahr und fiel von da an stetig auf rund ein Prozent, das heißt, die Bevölkerungszahl multipliziert sich pro Jahr um den Faktor 1,01.

Eine Verdopplung erfolgt demnach in 70 Jahren (1,01exp70) bei gleichbleibender Wachstumsrate, während es 1962 nur 32 Jahre brauchte zur Verdopplung. Für die weitere Entwicklung gehen die Statistiker von einer weiteren Abnahme der Wachstumsrate aus, bis 2080 etwa auf einen Wert von 0,2 Prozent. Indizien dafür gibt es zum Beispiel in Europa, wo die Zahl der Kinder pro Frau deutlich unter der Zahl zwei liegt, der Zahl, die für eine konstante Bevölkerungszahl erforderlich wäre, und das ist ähnlich in allen Ländern, die über einen gehobenen Lebensstandard beziehungsweise eine gute Bildung verfügen.

Trotzdem wird die Problematik des mit der Emission von CO2 verbundenen Klimawandels vor allem der Bevölkerung Afrikas angelastet. In Niger, einem der weltweit ärmsten Länder der Welt und der höchsten Wachstumsrate bekommt eine Frau im Schnitt fast sieben Kinder. Der CO2-Ausstoß pro Person beträgt in Niger 90 Kilogramm, ähnlich in vielen afrikanischen Ländern, in den westlichen Ländern 10 000 bis 20 000 Kilogramm, Spitzenreiter ist Katar mit fast 40 000 Kilogramm pro Kopf.

Aber auch in Afrika hängt die Kinderzahl mit der Entwicklung zusammen, in den meisten bessergestellten Ländern liegt dort die Kinderzahl pro Frau zwischen drei und fünf. Besserstellung zeigt sich auch daran, dass dank besserer medizinischer Versorgung die mittlere Lebenserwartung auch in Afrika, je nach Land, auf 50 bis 75 Jahre gestiegen ist.

Entwicklungshilfe kann also beitragen auch zur Reduzierung der Wachstumsrate. Ein anschauliches Maß für den ökologischen Fußabdruck, der auch Bevölkerungswachstum und CO2-Emissionen umfasst: Wenn alle Menschen der Welt weiterhin so leben würden wie wir Deutschen, bräuchten wir drei Erden, bei USA liegt die Zahl bei fünf und bei Niger bei einer.

Wenn die Entwicklung der afrikanischen Länder unser Niveau erreichte, wäre das Ende der Welt sehr nahe. Sie sollen sich entwickeln – auch wegen der abnehmenden Kinderzahl, aber bitte nicht so leben wie wir. Und was heißt das für unseren Lebensstil?

Versandform
Von
Wolfgang Buchholz
Ort
Mannheim
Datum

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3PUwrhP