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Bei Betreuung einen Gang zulegen

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Zum Artikel „Eltern atmen auf – nach fast einem Jahr“ vom 2. März:

Es wird über den Fall der Familie Feike berichtet, die sich mit Rechtsmitteln einen angemessenen Kindergartenplatz für ihren Sohn erstritten hat. Hierzu erst mal vielen Dank an Herrn Bähr vom „MM“, dass er beharrlich über die Mangelsituation im Bereich Kinderbetreuung in unserer Stadt berichtet. Nur permanenter öffentlicher Druck verhindert, dass das Thema auf der Agenda der Kommunalpolitiker wieder nach unten rutscht.

Der Familie Feike, die gegen die Stadt geklagt hat, gratuliere ich zu ihrem Erfolg. Ich frage mich, was sich die Verantwortlichen in der Verwaltung dabei gedacht haben, in diesen Rechtsstreit durch zwei Instanzen einzusteigen. War es die Absicht, die Familie durch die entstehenden Kosten abzuschrecken? Das wäre perfide.

Das alternativlose Angebot an die Familie, ihr Kind in einen Kindergarten zu schicken, der monatlich 900 Euro kostet, war schon eine Frechheit und einer Stadt, die noch vor Kurzem das Zertifikat „Kinderfreundliche Kommune“ erwerben wollte, absolut unwürdig. Wer aus der Stadtverwaltung wäre bereit monatlich 900 Euro für die Betreuung des eigenen Kindes auszugeben? Wahrscheinlich niemand. Deshalb sollte diese sehr spezielle Betreuungseinrichtung auch gänzlich aus dem Angebot der Stadt herausgenommen werden.

Dass sich die Nöte von Bürgermeister Grunert mit der Entscheidung des Gerichts, das Wahlrecht der Eltern zu stärken und die Grundrichtung der Erziehung vorzugeben, jetzt noch verstärken, hat sich die Verwaltung selbst zu zuschreiben. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, muss sie einen Gang zulegen und schleunigst für ein größeres Betreuungsangebot sorgen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das haben wir gerade staunend auf bundespolitischer Ebene erlebt.

Mein Sohn ist 1968 geboren. Ich suchte einen Kindergartenplatz in Heddesheim, da wohnten wir. Es gab keine Plätze. Gott sei Dank konnte er ins Kinderhaus Käfertal (Veilchenstraße) gehen. Ebenso sein Freund, den ich jeden Morgen mitnahm. Mir fällt spontan noch vieles ein, was sich in 50 Jahren nicht geändert, oder sogar verschlechtert hat.

Später ging er ins Gymnasium (Geschwister-Scholl-Schule Vogelstang). Da haben wir die Wände selbst gestrichen, weil es dringend notwendig war, wir nicht wollten, dass unsere Kinder in so hässlichen Räumen sitzen mussten. Das Schulessen hatte wenig Qualität, die Toiletten waren wenig einladend. Mein Enkel saß bis 2021 leider in der weiterführenden Schule in noch hässlicheren Räumen als damals unser Sohn. Es gibt noch nicht mal mehr Schulessen (er ging in der Pause zum Bäcker, Döner holen, oder kurz zu uns). Zur Toilette ging er bei uns, lieber hat er nichts getrunken. Es wiederholt sich alles.

Wenn ich dann höre „Kinder unser höchstes Gut“, dann könnte ich laut schreien, bekomme eine Riesenwut. Im reichsten Land Europas hat die Kinderarmut 2021 noch mehr zugenommen: Eine Schande für Deutschland! Glücklich macht mich in dieser schlimmen Zeit die Solidarität für das Ahrtal, die Solidarität für die Ukraine, der Zusammenhalt der Menschen.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3hQW9nd

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