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Appell an das Gewissen

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Zum Interview mit Annette Kurschus „Waffen sind grundsätzlich kein Mittel für den Frieden“ vom 7. März:

„Glaube und Religion haben ein großes Potenzial für den Frieden“, stellt die EKD-Ratsvorsitzende im Interview fest. Das ist angesichts der humanitären Katastrophe in der Ukraine ein großes Wort. Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Der Patriarch Kyrill, führender Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, schweigt sich zu Putins Angriffskrieg in der Ukraine aus, bezeichnet lediglich ukrainische Soldaten als „Macht des Bösen“.

Das zunehmende Leiden der Menschen dort – in der Mehrzahl Angehörige orthodoxen Glaubens – scheint ihm momentan nicht so wichtig zu sein im Kampf gegen vermeintliche „böse Mächte“. Vielleicht fühlt er sich gar mit Putin ein Stück weit verbunden bei dessen Träumereien von einem Großrussischen Reich. Und was tut sich auf Seiten der Verantwortlichen in anderen Kirchen der christlichen Welt? Dazu die Ratsvorsitzende der EKD: „Wir werden alles tun, um unsere Stimme für den Frieden zu erheben. Wir kennen die Verstrickungen…“, aber „wichtig ist, im Gespräch zu bleiben.“

Situation immer verfahrener

Ich meine, die Pflege von Gesprächskanälen abseits öffentlicher Wahrnehmung bringt im Augenblick nichts, und auch die gut gemeinten Friedensgebete auf dem Petersplatz in Rom mit Papst Franziskus am offenen Fenster werden hier nicht ausreichen. Viel hilfreicher wäre in der augenblicklichen Situation, wenn sich unverzüglich die wichtigsten Vertreter aller christlichen Kirchen in einem gemeinsamen weltweiten Appell an die Führung der russisch-orthodoxen Geschwisterkirche mit folgender, existenziell wichtigen Frage wenden würden: Wollt ihr als Christengemeinschaft, die sich ausdrücklich zu den Geboten von Menschlichkeit, Barmherzigkeit und Nächstenliebe bekennt, diesen Krieg wirklich als „Mittel zum Zweck“ rechtfertigen? Und zu welchem Zweck eigentlich?

Ich denke, ein solcher öffentlicher Appell an das christliche Gewissen von Kirchenführern hat eine echte Chance verdient. Er könnte Bewegung in die Haltung der Verantwortlichen bringen, und in der Folge viele Menschen in Russland, die zurzeit ihr Gewissen mit dem „Glauben“ an einen „gerechten Krieg“ beruhigen, zum Umdenken veranlassen und schließlich dazu ermutigen, das auch öffentlich zu bekennen.

Und Putin? Für ihn ist die russische Kirche ganz ohne Zweifel ein wichtiger Baustein seiner innenpolitischen Macht. Als bekennender Optimist sehe ich eine gewisse Chance, dass er hier einen Ausweg findet aus einer Situation, die auch für ihn immer verfahrener wird.

Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3q6qXFj

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