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An Pendler denken

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Zum Leserbrief „Was sind einige Minuten?“ vom 27. Juli:

Sehr geehrter Herr Karl Merkle, für Urlauber sind ein paar Minuten Verspätung der Bahn, jammern auf überhöhtem Niveau, da stimme ich Ihnen zu! Wer Urlaub und somit freie Zeit hat, kann die Bahnfahrten frei planen. Bei Abflugterminen kann man erwarten, dass dieses Klientel einen oder zwei Züge früher nimmt, genauso wie Berufspendler mit 30-jähriger Bahnerfahrung!

Bei einem 8-Uhr-Termin in Frankfurt, wird der Wecker dann auf 4.30 Uhr gestellt, um zwei Züge früher zu fahren. Wenn diese Züge dann aber entweder verspätet am Bahnhof ankommen, abfahren oder gar ausfallen, Anschlüsse nicht erreichbar sind, dann summieren sich diese Minuten wöchentlich, monatlich und letztendlich jährlich zu Stressfaktoren, die sich auf die Gesundheit und somit auf Lebenszeit auswirken.

Früher kam die Bahn „mal“ zu spät, damit konnte jeder leben. In den letzten Jahrzehnten, mit Beginn der Ära Mehdorn, hat sich der Zustand aber dermaßen drastisch verschlechtert, dass ich meinen Mann, bis zum Beginn der Homeofficezeit, jeden Morgen an den Bahnhof Schwetzingen gefahren habe. Wenn die Regionalbahn nicht oder nicht pünktlich abgefahren, der Anschluss zum ICE somit gefährdet war, fuhren wir direkt weiter zum Hauptbahnhof Mannheim. Dieser Zustand änderte sich, auch durch die Sanierung des Bahnhofs Schwetzingen, dahingehend, dass ich täglich nach Mannheim fuhr und sehr oft andere, am Bahnhof „Gestrandete“ vorher aufsammelte und mitnahm. Klar wäre auch der Bus eine Möglichkeit gewesen – aber wer will sich unter Zeitdruck noch über Ketsch und Brühl mit gestressten oder überdrehten Menschen in einen Bus setzen oder stellen?

Aber zurück zur Bahn: Abends verschärfte sich die Situation, Züge wurden während der Fahrt umgeleitet und fuhren dann nach Heidelberg oder endeten in Friedrichsfeld. Wie kommt man dann nach Hause? Nicht in Minuten, sondern stundenlanges Fahren von Heidelberg nach Mannheim, was besonders ab 19/20 Uhr mit einer stündlich verkehrenden Regionalbahn nach Schwetzingen Fahrgenuss bedeutet. Von Friedrichsfeld um diese Uhrzeit nach Schwetzingen zu kommen – probieren Sie das mal aus – mein Shuttleservice von den Bahnhöfen nach Hause wurde sehr oft begeistert angenommen.

Vielleicht können Sie sich vorstellen, was diese Zusatzbelastung, für uns bedeutet. Verschärft wird der „Fahrgenuss“ jetzt noch durch begeisterte Neun-Euro- Ticket-Nutzer, die auch noch Fahrräder für den Schnäppchenpreis mitnehmen wollen. Lieber Herr Merkle, fahren Sie Bahn, genießen Sie jede Minute Verspätung und denken Sie dabei nur an die Berufspendler. Dankeschön.

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Von
Marion Daniela Schneider
Ort
Schwetzingen
Datum
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Info: Originalartikel unter https://bit.ly/3BwtK0R

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