Kommentar Zur Öffnung des Herzogenriedparks: Eine Ausnahme

Peter W. Ragge zur Öffnung des Herzogenriedparks

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Peter W. Ragge
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Es wirkte idiotisch: Tausende von Menschen in den Hochhäusern am Herzogenried haben den gleichnamigen Park direkt vor der Haustür, laufen täglich am Zaun vorbei – aber sie dürfen seit vielen Wochen nicht rein. Ausgerechnet dort, wo viele Leute in kleinen, engen Wohnungen leben, nimmt man ihnen die Möglichkeit, ins Grüne zu kommen. Schließlich kann man in der Neckarstadt viel schlechter Abstand halten als in vielen anderen Stadtteilen.

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Daher ist die Öffnung des Herzogenriedparks richtig – mit Blick auf die direkten Anwohner und die spezielle Situation dieses Wohngebiets. Sie kann und darf aber keine Hoffnung wecken, dass nun schnell der Luisenpark und dann noch andere Einrichtungen nach und nach öffnen.

Bei der Schließung von Freizeitparks und Botanischen Gärten geht es ja nicht darum, dass gerade dort die Ansteckungsgefahr besonders hoch wäre. Derzeit wissen die Gesundheitsämter bei vielen Infektionen gar nicht, wo sie passiert sind. Das Ziel ist vielmehr, alle Bereiche zu schließen, in denen sich Menschen begegnen und Ansammlungen entstehen können – weil es eine oberste Regel zur Eindämmung der Corona-Pandemie gibt: zu Hause bleiben, einfach möglichst niemanden treffen.

Daher ist die Entscheidung für den Herzogenriedpark eine richtige Ausnahme – kein Anfang.

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Sie hat auch eine traurige Komponente: In den vergangenen Jahrzehnten wurde dieser Park, weil der Stadtpark-Gesellschaft die Gelder fehlten, derart heruntergewirtschaftet, dass er kaum mehr als „Freizeitpark“ oder Botanischer Garten durchgeht. Es gab zwar Absichtserklärungen der Politik, und eine Bürgerbeteiligung brachte sinnvolle und keinesfalls utopische Ideen. Passiert ist aber nicht viel.

Daher kann man auch verstehen, dass sich bei den Akteuren vor Ort in die Freude über die nun doch erfolgte Öffnung des Herzogenriedparks auch eine gewisse Portion Argwohn mischt.

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Der Verzicht auf Eintrittsgelder schafft jetzt zwar die Rechtsgrundlage, trotz Corona-Einschränkungen die Eingänge zu öffnen. Es darf daraus aber nicht durch die Hintertür ein Versuch werden, auf Dauer auf Zäune und Eintritt, damit zugleich auf einen angemessenen Pflegestandard und die zugesagten Investitionen zu verzichten. Die Idee, den Herzogenriedpark einfach freizugeben, sich zu überlassen und kaum mehr zu pflegen, gab es nämlich mal in der Verwaltung – sie wurde zum Glück gestoppt.

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