Zur Krise bei Hertha BSC Berlin: Bielefeld statt Barcelona

Alexander Müller zur Krise bei Hertha BSC Berlin

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Alexander Müller
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Dass ein plötzlicher Geldsegen allein nicht immer glücklich macht, ist eine alte Erkenntnis. Man muss nur bei etlichen tief gestürzten Lotto-Gewinnern nachfragen, um zu wissen: Die frischen Millionen sollten auch gut investiert sein. Daran hat es bei Hertha BSC Berlin nicht erst in dieser Saison gehapert. Die hochtrabenden Pläne, den Hauptstadt-Club zu internationalem Glanz zu führen, zerschellen in diesen Tagen an der Realität namens Abstiegskampf. Sie wollten nach Barcelona – und sind punktgleich mit Bielefeld.

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Trainer Bruno Labbadia kämpfte tapfer gegen die Fallstricke, die ein völlig disharmonisch zusammengestellter Kader bereithielt. Natürlich gingen dem Südhessen nach nur einem Punkt aus den Partien gegen Bielefeld, Köln, Hoffenheim und Bremen die Argumente aus, aber die Hauptschuld an der Misere trägt er nicht. Labbadia musste gehen, weil im Berliner Personal zwar viel Fantasie für die Zukunft steckt, aber keine Widerstandsfähigkeit in der Gegenwart.

Dass der Sog der sich immer schneller drehenden Negativspirale auch Langzeit-Manager Michael Preetz den Job kostete, ist deshalb nur folgerichtig. Als es darum ging, die Hertha mit überschaubaren Finanzmitteln in der Bundesliga zu halten, überzeugte der frühere Stürmer mit einer soliden Transferpolitik. Seitdem die Berliner mit den Millionen des Investors Lars Windhorst auch in höhere Regale greifen können, häufen sich die Fehler. Vor allem bei der Trainer-Auswahl vor Labbadia lag Preetz daneben: Nachdem er den beliebten Pal Dardai rasiert hatte, ging zunächst das Experiment mit Eigengewächs Ante Covic schief. Und wer hat dem Manager bitte eingeflüstert, dass es eine gute Idee sein könnte, den als Trainer völlig überschätzten Jürgen Klinsmann aus Kalifornien an die Spree zu holen? Viel Geld zu haben ist das Eine, um erfolgreich zu sein, sollte man es aber auch clever einsetzen.

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