Lisa Wazulin über das Ende der Ausgangssperre Zur Aufhebung der Ausgangssperre: Trügerische Freiheit

Lisa Wazulin über das Ende der Ausgangssperre

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Lisa Wazulin
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Endlich ist sie weg – die Mannheimer Ausgangssperre. In fast keiner anderen Stadt im Land haben die Bürger und Bürgerinnen so lange nachts ihr Haus nicht mehr verlassen. Da ist es sehr verständlich, dass die Freude über die neu gewonnene Bewegungsfreiheit groß ist – auch bei der Autorin. Fragt sich nur, wie lange. Zwar hat die Stadt sich mit der Aufhebung strikt an die Vorgaben des Landes gehalten. Ziel war es, mit einer dauerhaften niedrigen Inzidenz unter 50 die Nachverfolgbarkeit der Kontakte zu garantieren. Und das scheint gelungen. Ende gut, alles gut?

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Wohl eher nicht. Vielmehr muss man sich ernsthaft fragen: Reicht diese Inzidenz aus, um das Coronavirus endgültig aus der Stadt zu vertreiben, zu verhindern, dass täglich geliebte Familienmitglieder dem Virus zum Opfer fallen? Wer die öffentliche Debatte um die Lockerungen verfolgt, der weiß: Eine Vielzahl der Virologen und Expertinnen warnt vehement vor der mutierten Virusvariante, hält eine Inzidenz von 35 noch für zu hoch. Das Ende der Ausgangssperre ist ein eher erzwungenes, das so mancher Politiker für längst überfällig hält. Mit Blick auf die aktuellen Zahlen mag das zwar begründet sein. Diese Zahlen bilden aber nur das Infektionsgeschehen aus der Vergangenheit ab. Deshalb darf man auf voreilige Forderungen von Politikern nicht hereinfallen. Wegen der anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen gehen sie schon jetzt auf Stimmenfang, die Gesundheit ihrer Wähler scheint da zweitrangig.

Denn die Mutanten sind längst unter uns. Wie viele sie schon heimlich infiziert haben, lässt sich erst aus den Zahlen der Zukunft ablesen. Die Virusvarian-ten werden die häufigeren Begegnungen sicher nutzen, um sich zu verbreiten. Zwar gelten die Kontaktbeschränkungen weiterhin. Die Ausgangssperre hat aber viele bisher abgehalten, Freunde und Familie öfter zu treffen. Nun fällt diese Bremse weg. Deshalb ist die Freude über die neu gewonnene Freiheit trügerisch. Weil sie schneller wieder verschwinden könnte, als uns lieb ist. Möglich macht das das exponentielle Wachstum, bei dem die Infektionszahlen plötzlich in die Höhe schießen.

Weil die Mannheimer Inzidenz noch so gefährlich nah an der 50er-Marke liegt, kann sie die leicht überschreiten – was der überraschende Anstieg von Freitag beweist. Rutscht der Wert sieben Tage in Folge über 50, kommt es wieder zur Ausgangssperre. Es droht uns also demnächst ein Hin und Her aus Sperre und Lockerung, das viel zermürbender wäre, als noch etwas länger zuhause zu bleiben.

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