Zinsportale sind fein raus

Rolf Obertreis zur Entschädigung der Greensill-Sparer

Von 
Rolf Obertreis
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Greensill ist einer der größten Entschädigungsfälle für die deutsche Einlagensicherung – ein Institut, das bis zur Insolvenz nur einer Minderheit in Deutschland bekannt war. Die wenigsten Anleger wussten vermutlich, was sich genau hinter Greensill verbirgt. Wieder einmal haben Sparerinnen und Sparer den Grundsatz zur Seite gewischt: Höhere Zinsen bedeuten automatisch auch ein höheres Risiko. Zahlen müssen jetzt indirekt alle Kunden privater Banken in Deutschland. Denn die Institute füllen die Sicherungsfonds der Branche mit Pflichtbeiträgen. Das lassen sie sich indirekt über die Preise für ihre Dienstleistungen bezahlen. Die Einlagensicherung ist gut und wichtig. Und sie funktioniert. Trotzdem sollte sie kein Freibrief für riskantere Anlageformen sein.

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Fein raus sind auch die Zins-portale, die Sparerinnen und Sparer zu Banken wie Greensill in Deutschland und in anderen europäischen Ländern locken, mit höheren Zinsen werben und sich von den Instituten für die Vermittlung der Einlagen bezahlen lassen. Gerne verweisen die Portale dabei auf die Einlagensicherung, für die sie allerdings keinen einzigen Cent zahlen. Hinter deren Geschäft darf man fürwahr ein Fragezeichen setzen.

Am Ende freilich entscheiden Sparer selbst. Ob ein paar Euro mehr Zinsen den Ärger wert sind, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Für mehrere Dutzend Städte und Gemeinden, die einstellige, zum Teil auch erhebliche zweistellige Millionenbeträge bei Greensill angelegt haben, sieht es dagegen eher trübe aus. Ihre Einlagen waren nicht abgesichert. Sie können nur auf das Insolvenzverfahren hoffen. Was dort am Ende rausspringt, ist offen. Es wird ohnehin Jahre dauern.

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.