Kommentar Ziel muss sein, ideologiefrei zu handeln

Ein Kommentar von Wolfram Köhler über die Aufnahme von Geflüchteten: Er meint, die Politik muss das Problem lösen. Nicht dass noch die Gesellschaft kapituliert.

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Wolfram Köhler
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Der Kreis kapituliert. Nicht anders ist das Vorgehen des Landratsamts zu beschreiben. Weil die Bundespolitik mit einer Reaktion zu lange gewartet hat, ist der Flüchtlingsstrom derart angewachsen, dass er für die Verwaltung in Heppenheim schlicht nicht mehr zu bewältigen ist. Richten sollen es nun die Städte und Gemeinden. Doch auch die werden – wenn sie es nicht schon sind – sehr bald an ihre Grenzen stoßen. Schon heute kann Viernheim den Familien, die aus den Kriegsgebieten in der Ukraine kommen, kaum noch eine geeignete Bleibe bieten. Anerkannte Asylbewerber aus anderen Ländern sitzen in den Gemeinschaftsunterkünften fest, weil Wohnraum fehlt. Jetzt also soll die Stadt weitere Einrichtungen eröffnen – für viele Personen.

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Wolfram Köhler
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Ein Container- oder Zeltdorf steht schnell auf der grünen Wiese. Und die Leidenschaft der Ehrenamtlichen in der Kommune ist bekanntermaßen riesig, wenn es darum geht, Neuankömmlinge herzlich zu empfangen und schnellstmöglich zu integrieren. Doch wie geht es weiter? Es sind vor allem junge Menschen, die immigrieren. Sie gründen Familien, brauchen – neben den eigenen vier Wänden – Jobs und Kita-Plätze für Kinder, die wenig später die Schule besuchen und vielleicht sogar studieren.

Bevölkerungswachstum und kulturelle Veränderungen stellen das Land vor eine immense Herausforderung. Meistern wird es sie nur, wenn Politik diese zentralen Zukunftsfragen endlich ideologiefrei diskutiert und Probleme offen benennt. Vor Ort gilt es, vorausschauend eine geeignete Infrastruktur zu schaffen. Denn eines darf nicht passieren – dass die Gesellschaft kapituliert.

Redaktion