Kommentar Weniger Büros, mehr Vielfalt

Bettina Eschbacher zum Immobilienmarkt der Region

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Bettina Eschbacher
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Wer sich die jüngsten Zahlen zu den Büroimmobilien in der Region anschaut, sieht erst einmal nur einen dicken Zuwachs an Flächen. Die vielen neuen Büro-Angebote, die 2020 in den Zentren der Metropolregion entstanden, sind die Folgen eines jahrelangen Wirtschaftswachstums. Auch in diesem Jahr und in naher Zukunft werden noch jede Menge neuer Büroflächen dazukommen, auch wenn die Nachfrage dem womöglich bald nicht mehr ganz entspricht. Am Bau kommen Nachfrage-Dellen eben mit Verzögerung an, weil die Projekte mehrjährige Planungs- und Bauphasen beanspruchen.

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Es sind zwei Entwicklungen, die den Trend zu mehr und mehr Büros wohl stoppen werden: Zum einen sprudeln in der Pandemie bei einem großen Teil der Unternehmen die Gewinne nicht mehr so wie vorher, viele haben existenzielle Sorgen. Es wird gespart und Personal abgebaut. Auch Investoren dürften vorsichtiger werden, dem Bauboom könnte das Geld ausgehen.

Zum anderen werden viele Mitarbeitende, die zurzeit im Homeoffice wirken, nach der Pandemie nicht mehr jeden Tag in die Firma kommen wollen. Zumal auch die Verkehrssituation in der Region das klassische Pendeln im Pkw nicht attraktiver machen wird, allein schon rund um die drohende Dauerbaustelle Hochstraße Nord vor Ludwigshafen. Die tägliche, volle Besetzung in den Büros wird es nicht mehr geben. Stattdessen werden Arbeitsplätze geteilt oder sowieso jeden Tag neu vergeben. Das kommt den Arbeitgebern und Vermietern entgegen, die neue Konzepte entwerfen, nach dem Motto: neues Arbeiten, neuer Arbeitsplatz. Die Digitalisierung und die globale Vernetzung bringen immer schneller wechselnde Herausforderungen, die kreative Lösungen und rasche Reaktionen erfordern. Beschäftigte sollen nicht stur am Schreibtisch sitzen, sie sollen sich austauschen, ungewöhnliche Ideen entwickeln. Deshalb wandelt sich die Architektur, werden die Büros offener, klassische Einer- oder Zweier-Büros und offene Zonen wechseln sich ab. Dazu kommen Extra-Flächen und einladende Oasen mit Sesseln oder Bänken für spontane Besprechungen.

Und es wird mehr Angebote auf dem Land oder am Stadtrand geben, in Coworking-Spaces treffen sich Beschäftigte aus unterschiedlichen Unternehmen. Gleichzeitig wird das Wohnen in abgelegeneren Regionen attraktiver, weil mehr Homeoffice Fahrtwege erspart. All das macht die Arbeitswelt bunter und vielfältiger – so passen sie besser zu den Bedürfnissen der Mitarbeitenden.

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Redaktion Bettina Eschbacher ist die Koordinatorin Wirtschaft und Wirtschaftsredakteurin.

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