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Manfred Loimeier zum Bild der Deutschen von den USA

Von 
Manfred Loimeier
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Ach, was haben wir Deutschen die Vereinigten Staaten von Deutschland verklärt! Waren Indianerin oder Cowboy in der Fasnacht, haben Westernfilme geguckt, als wären wir selbst „Go West“ auf dem Treck, und was immer aus den USA kam, war per se bewundernswert und gut: die Musik, das braune Erfrischungsgetränk, die Burger zum Mitnehmen, die Hollywood-Stars, die Roman-Autoren.

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Wir machten ein Austauschsemester in den USA, fuhren im Urlaub den German Circle auf den Straßen von San Francisco zum Grand Canyon, durch das Tal des Todes zum Yosemite-Park und zurück nach Los Angeles. Wir träumten von einem Job an einer US-Universität oder steckten die Ersparnisse in US-Anlagen – und ließen uns auch nicht vom Wall-Street-Begriff des „Stupid German Money“ abschrecken, der abfälligen Bemerkung von US-Bankern, dass die Deutschen ohne nachzudenken ihr Geld überall dorthin stecken, wo nur USA draufsteht. Wir bejubelten Barack Obama bereits in Berlin, als er noch gar nichts gemacht hatte, und auch wir konnten lange nicht fassen, dass Donald Trump wirklich dazu bereit und willens ist, die US-Demokratie ins Wanken zu bringen.

Selbst am Ende dieser Illusionen ist klar, wie sehr die US-amerikanische Kultur und Lebensart unseren deutschen Alltag bestimmt hat und weiterhin prägt – gerade hier in der Region mit ihren zahlreichen ehemaligen Stützpunkten der US-Armee und den Nordamerika-Schwerpunkten an den Universitäten. Kasernen- werden zu Konversionsflächen, Englisch ist nahezu Zweitsprache, und wer neue Technologien entwickeln oder neue Produkte vermarkten will, der schaut, wie so etwas in den USA gemacht wird. Dass sich die Universität Karlsruhe mit Blick zum Massachusetts Institute of Technology (MIT) seit 2009 Karlsruher Institut für Technologie (KIT) nennt, ist nur ein Beispiel.

Dennoch ist es gut, dass sich Deutschland auch angesichts der jüngsten Entwicklungen zunehmend von den USA emanzipiert und seinen Platz in der Mitte Europas zu festigen sucht. Deutschland ist, schon wegen seiner geografischen Lage, die Drehscheibe Europas für Handel und Arbeitsmarkt, und Berlin lernt, entsprechend der wirtschaftlichen Stärke unserer Volkswirtschaft auch international politische Verantwortung zu übernehmen. Dieses Selbstbewusstsein erlaubt einen Dialog auf Augenhöhe auch mit den USA – nicht mehr nur als folgsamer Nachahmer, sondern auch als kritischer Freund. Und dafür war es auch Zeit.

Redaktion Geschäftsführender Redakteur und Mitglied der Chefredaktion