Überfällige Entscheidung

Christian Schall über den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs

Von 
Christian Schall
Lesedauer: 

Läden und Kaufhäuser waren in den vergangenen Wochen fast so etwas wie sichere Rückzugsräume. Weil mit der Corona-Verordnung des Landes der Zugang in die Geschäfte begrenzt war, ließ sich dort der Abstand zu seinen Mitmenschen ohne Schwierigkeiten einhalten. Kam ein anderer Kunde wirklich einmal zu nahe, konnte man problemlos ausweichen. Hier hat sich die Verordnung als sinnvoll erwiesen, weil man anfangs nicht einschätzen konnte, wie sich die Lockerungen auf die Infektionszahlen auswirken. Zurecht wollten die Behörden verhindern, dass Läden nach Wochen der Schließung regelrecht gestürmt werden. Inzwischen weiß man, dass die Kunden noch zurückhaltend mit Anschaffungen sind.

AdUnit urban-intext1

Auf der Straße war und ist Distanz halten dagegen immer seltener möglich. Einige Menschen nehmen es mit den Abstandsregeln nicht so genau und drängeln sich rücksichtlos vor. Es ist zu hoffen, dass sich nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg die Situation in den Geschäften nun nicht ähnlich entwickelt.

Trotzdem ist die Entscheidung der Mannheimer Richter überfällig. Sie beendet einmal mehr eine Ungleichbehandlung, wie sie gerade in Grenzregionen zu anderen Bundesländern immer wieder zutage tritt. Es ist nicht zu verstehen, warum sich in einem 800 Quadratmeter großen Geschäft in Mannheim 40 Personen gleichzeitig aufhalten durften, während dies in Ludwigshafen 80 gestattet war.

Die Beschränkung ist auch deshalb als ungerecht zu bezeichnen, weil sie dazu geführt hat, dass Kunden auf der Straße auf Einlass warten mussten. Wer dort nicht dicht an dicht in der Schlange stehen wollte, erledigte den Kauf im Internet und brachte den stationären Händler um seinen derzeit so wichtigen Umsatz.

AdUnit urban-intext2

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs gestattet den Einzelhändlern nun mehr Freiheiten. Profitieren werden vor allem die Händler mit wenig Verkaufsfläche. Gleichzeitig steigt ihre Verantwortung, noch mehr aber die der Kunden. Sie müssen mehr denn je darauf achten, den Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Kunden einzuhalten. Zum eigenen und dem Schutz der anderen.

Mehr zum Thema

Verwaltungsgerichtshof gibt Eilantrag statt Einzelhändler erleichtert über Ende der Zutrittsbegrenzung

Veröffentlicht
Von
Christian Schall
Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Redakteur in der Lokalredaktion Mannheim

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren