Überfällige Diskussion

Rolf Obertreis zur aktuellen Oxfam-Studie

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Rolf Obertreis
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In Davos zahlen Politiker, Unternehmer und andere, die zum elitären Zirkel auf dem Weltwirtschaftsforum gehören wollen, nahezu 20 000 Euro für die Teilnahme. Und noch einmal horrende Preise, die selbst in einfacheren Hotels pro Nacht vierstellig sind. Der Kontrast könnte nicht größer sein zu den Verhältnissen, die die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrer Studie über die un- oder drastisch unterbezahlte Arbeit von Frauen und Mädchen aufzeigt.

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Auch wenn sich die Verhältnisse in den letzten Jahren verbessert haben und der Anteil der Menschen zurückgegangen ist, die weltweit in absoluter Armut leben: Für Millionen und insbesondere viele Frauen und Mädchen bleiben sie katastrophal. Kilometerweit müssen sie in afrikanischen Ländern oft laufen, um an Trinkwasser zu kommen, weil Wasserleitungen fehlen. Sie kümmern sich um die Familie, Kinder und Kranke. Und arbeiten auch noch auf dem Feld. Das alles unentgeltlich. Freie Tage und gar Urlaub sind für sie Fremdwörter.

Und doch sind nicht nur die Familien, sondern ganze Dörfer, ja ganze Gesellschaften ohne diese Dienste nicht (über-) lebensfähig. Eine Wasserleitung oder eine kleine Solaranlage würden diese Frauen und Mädchen oft erheblich entlasten.

Aber der Blick muss sich auch auf die Industrieländer, auch auf Deutschland richten. Auch hier wird Hausarbeit immer noch nicht wirklich anerkannt, vor allem ökonomisch. Die Bezahlung in der Pflege ist immer noch bescheiden bis schlecht, mit Folgen für die Situation der Betroffenen im Alter. Wirklich anerkannt wird ihre zeitaufwendige und engagierte Arbeit von der Gesellschaft immer noch nicht.

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Die Diskussion über diese Verhältnisse in den armen wie auch den wohlhabenderen Ländern ist überfällig. Schritte dagegen sind es noch mehr. Die Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, die in Davos allein pro Nacht Tausende von Euro für ein Hotelbett auf den Tisch legen, sollten sich dessen bewusst sein.

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Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.