Symbol Hopp

Alexander Müller zum Konflikt zwischen DFB und Fans

Von 
Alexander Müller
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Es war zu befürchten. Jetzt reden manche zur Sache Hopp, auf deren Beitrag zur Meinungsbildung man gerne verzichtet hätte. Schalkes Aufsichtsrat Clemens Tönnies zum Beispiel, selbsterklärter Experte zu den Zusammenhängen zwischen dem Kraftwerksbau und der Familienplanung in Afrika, glaubt offenbar, wieder in moralischen Angelegenheiten Stellung beziehen zu dürfen: „Für so etwas Menschenverachtendes kann es kein Verständnis, keine Rechtfertigung oder Relativierung geben.“ Rechtsanwalt Christoph Schickhardt, der Dietmar Hopp vertritt, offenbarte beim gleichen Thema ein bedenkliches Verständnis vom Rechtsstaat. Der Ludwigsburger Jurist empfahl im SWR, dass die Polizei „ein paar abgreifen“ und „auch mal einen Tag in der Zelle lassen“ müsse. „Das hat sich immer bewährt.“ Gemeint sind die Fans, die den Hoffenheimer Mäzen am vergangenen Wochenende auf etlichen Spruchbändern beleidigten. Ob Populismus der übleren Sorte, wie ihn Schickhardts Aussagen dokumentieren, seinem Klienten hilft, sei einmal dahingestellt.

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Dietmar Hopp ist zum Gesicht eines Kulturkampfs zwischen den organisierten Fans und dem DFB geworden, zum Symbol für die Kommerzialisierung des Fußballs. Das ist denkbar ungerecht, denn nicht nur die Menschen in der Rhein-Neckar-Region wissen, dass der 79-Jährige eine honorige Persönlichkeit ist, die das Herz am rechten Fleck trägt und viel mehr Geld an die Gesellschaft zurückgibt als die meisten anderen Milliardäre in Deutschland. Hopp hat allerdings – das muss sich der SAP-Mitgründer bei allem Verständnis ankreiden lassen – auch die Gelegenheit verpasst, die plumpen Provokationen und Beleidigungen aus der gegnerischen Kurve zum richtigen Zeitpunkt einfach zu ignorieren. Dann wäre die Situation heute garantiert eine andere.

Seit Bekanntgabe der zweijährigen Sperre für Dortmunder Anhänger beim Spiel in Hoffenheim ist der gebürtige Heidelberger in einem Konflikt zwischen DFB und Ultras endgültig zwischen die Fronten geraten. Mit dem Bann der BVB-Fans hat der Verband die Zusage gebrochen, keine Kollektivstrafen mehr auszusprechen. Und bei ihrem Widerstand gegen die fragwürdige Praxis, für das Fehlverhalten Einzelner auch hunderte oder tausende Unschuldige zu sanktionieren, haben die Fan-Vertreter viele schlüssige Argumente auf ihrer Seite. Nur die Art und Weise, wie der Protest vorgebracht wird, ist komplett daneben.

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