Suche nach Mutanten wie die Nadel im Heuhaufen

Bernhard Zinke über die Teststrategien bei Corona-Mutanten. Er meint: Die Metropolregion wirkt – einmal mehr – wie ein Brennglas für die Probleme des Föderalismus.

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Bernhard Zinke
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Die Metropolregion wirkt – einmal mehr – wie ein Brennglas für die Probleme des Föderalismus. Wieder einmal sind sich die Bundesländer in ihrem Management der Corona-Krise herzlich uneins. Mutanten des ursprünglichen Coronavirus bestimmen nun zusehends die Diskussion. Nach Ansicht sehr vieler Mediziner sind die Varianten aus Großbritannien und Südafrika vom Krankheitsverlauf nicht unbedingt gefährlicher, aber wohl sehr viel ansteckender – und deswegen eine weitere Gefahr für das Gesundheitssystem. Daraus hätte die Stadt Ludwigshafen jetzt fast eine erste harte Regelung abgeleitet. Trotz einer 7-Tage-Inzidenz von unter 100 wollte die Verwaltung ihre Bürger an die 15 Kilometer lange Corona-Leine legen und den Bewegungsradius einschränken – weil ein Bewohner einer Asylunterkunft sich mit einer Mutante infiziert hatte. Die Stadt ruderte allerdings am Freitagabend zurück, weil bei der Reihentestung keine zweite Infektion angezeigt wurde. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck will unbedingt eine weitere Ausbreitung unterbinden.

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Das ist ehrenvoll, aber zu spät: Die Mutanten sind längst im Umlauf – in der ganzen Region. Nur hat man bislang nicht danach gesucht, sagt auch der Ärztliche Direktor der GRN-Kliniken. Deshalb ist es unabdingbar, dass eben nicht nur stichprobenweise, sondern flächendeckend nach den Mutanten gesucht und jeder positive PCR-Test sequenziert wird. Politik und noch viel mehr die Wissenschaft brauchen verlässliche Daten, auf deren Basis Entscheidungen fallen und diese für die Bürger auch nachvollziehbar bleiben. Eine anlassbezogene Sequenzierung von Stichproben ist die Suche nach der Nadel im Heuhaufen und damit unsinnig.

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Autor Stellvertretender Leiter der Redaktion Mannheim und die Region