Stochern im Nebel

Bertram Bähr zu den Entscheidungen der Landesregierung

Von 
Bertram Bähr
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Im Film nennt man das einen „Cliffhanger“. Die Spannung steigt. Aber bevor klar ist, wie es weitergeht, endet der Streifen – Fortsetzung folgt. Ministerpräsident Kretschmann verkündete an diesem Dienstag, Kitas und Grundschulen würden wohl am 1. Februar wieder öffnen. Aber eine endgültige Entscheidung werde er erst an diesem Mittwoch treffen. Und sollte sich die aggressive Virusmutante aus Großbritannien oder Südafrika verbreiten, könne das „zu drastischen Maßnahmen“ und der Rücknahme von Lockerungen führen. Man darf gespannt sein.

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Erzieherinnen, Lehrer und Eltern streiten sich unterdessen über den richtigen Weg aus dem Lockdown. In allen Gruppen bilden sich – eher mehr beim Personal, eher weniger bei den Eltern – zwei Lager: Die einen, die Angst vor dem Virus haben. Die anderen, die unbedingt Normalität möchten. Der Landesregierung geht es offenbar wie diesen Betroffenen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Kindeswohl und Infektionsschutz.

Anders als bei den direkt Betroffenen kann man von den Profis in Stuttgart aber erwarten, dass sie ihre Entscheidungen auf nachvollziehbaren Grundlagen treffen. Und zum Beispiel feste Inzidenzwerte nennen, ab denen klar umrissene Lockerungen greifen. Stattdessen stochert die Landesregierung weiter im Nebel.