Schwierige Abwägung

Peter Reinhardt zur Schließung von Kitas und Grundschulen

Von 
Peter Reinhardt
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Auf den ersten Blick dient die jetzt auch für Baden-Württemberg verlängerte Schließung von Kitas und Grundschulen dem Gesundheitsschutz. Schließlich sind die Infektionszahlen zuletzt sogar wieder gestiegen und zusätzliche Risiken durch die neuen Virusvarianten dazugekommen. Aber Fernunterricht für Siebenjährige, die noch nicht lesen können, ist unbefriedigend. Den Corona-Frust von Lehrern, Eltern und ihren Verbänden bekommen Kultusministerin Susanne Eisenmann und ihre Kollegen in anderen Ländern in vollen Breitseiten ab.

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Leider muss man davon ausgehen, dass noch über viele Wochen die Corona-Infektionen nicht auf das angestrebte Niveau gebracht werden können. Gleichzeitig wächst die Einsicht, dass besonders in Kitas und Grundschulen die negativen Folgen von langen Schließzeiten und Fernunterricht steigen und eine neue Abwägung erforderlich ist. Die Politik muss also Konzepte überlegen, wie die Kleinen unter Pandemiebedingungen wieder in die Schulen gehen können. Vor diesem Hintergrund springt die von Regierungschef Winfried Kretschmann per Richtlinienkompetenz erzwungene einfache Verlängerung der Schließung zu kurz. Länder wie Hessen, wo bekanntlich die Grünen mitregieren, gehen da seit dem Neustart nach den Weihnachtsferien flexibler vor.

Kretschmanns unnachgiebige Haltung ist vor dem Hintergrund der Landtagswahl zu sehen, bei der Eisenmann seine Herausforderin ist. Die CDU-Ministerin war zum Jahreswechsel mit einem Öffnungskonzept für Kitas und Grundschulen vorgeprescht. Ein wenig nach Revanchefoul sieht Kretschmanns Pochen auf die Richtlinienkompetenz jetzt aus. Corona ist, entgegen den öffentlichen Bekundungen, im baden-württembergischen Wahlkampf angekommen.

Der parteipolitische Streit über Gesundheitsschutz und Bildungsnotwendigkeit wird in der ohnehin aufgewühlten Schulszene für weitere Verunsicherung sorgen. Das ist bedauerlich und der sowie schon sinkenden Akzeptanz für Einschränkungen zusätzlich abträglich. Die Länder sollten die zwei Wochen nutzen, um für die Kitas und Grundschulen neue Schutzkonzepte auszuarbeiten und dann gemeinsam deren Öffnung vorzubereiten. Auf die Wissenschaft kann die Politik dabei nicht warten. Nach zehn Monaten gibt es zwar hunderte Studien zur Ansteckung von Kindern und durch Kinder, aber noch keine klare Faktenlage. Bildungspolitikern ist das nicht fremd: Bei Schulen redet schon immer jeder mit.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart