Sanierung des Nationaltheaters:  Kooperieren statt feilschen

Peter W. Ragge stellt Fragen zur Generalsanierung

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Peter W. Ragge
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Sind wir wirklich noch in der Kurpfalz? Oder doch auf dem orientalischen Basar? Daran erinnert zumindest das Gefeilsche zwischen Mannheim und Ludwigshafen über die Frage, ob und wie oft das Nationaltheater während der Generalsanierung im Pfalzbau spielen darf.

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Zumindest ist jetzt eine Grundsatzeinigung erzielt, wenn auch noch nicht unterschrieben. Doch dazu brauchte es Gespräche auf der höchsten Verwaltungsebene und zeitweise einen externen Moderator. Dabei nennen sich Mannheim und Ludwigshafen freundlich „Schwesterstädte“. Und beide haben die Kulturvision 2015 der Metropolregion mitgetragen, in der die Worte „Kooperation“ und „Zusammenarbeit“ geradezu inflationär vorkommen. Doch wenn es darauf ankommt, wird die Vision nicht mit Leben gefüllt.

Allein der Pfalzbau verfügt über die Technik, während der langen Generalsanierung weiter das so wichtige Repertoire des Nationaltheaters zu pflegen. Mannheim ist also auf Ludwigshafens Entgegenkommen angewiesen – aber dennoch am Anfang der Gespräche äußerst ungeschickt (man hört auch: arrogant) aufgetreten.

Andererseits steht der Pfalzbau oft leer. Er hat zwar einen Intendanten, aber kein eigenes Ensemble, bringt nur ganz wenige Eigenproduktionen. Da wäre es schon sinnvoll, statt dem Feilschen über die Vermietung von Räumen lieber über eine langfristige, womöglich über die Zeit der Sanierung hinausreichende, auch künstlerische Kooperation nachzudenken.

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Da die nun vom Pfalzbau eingeräumten Termine nicht reichen, muss Mannheim indes weiter auf die Suche nach einer Ersatzspielstätte gehen oder gar ein Provisorium neu bauen. Das kostet alles Geld und Zeit.

Zudem stellt sich immer mehr heraus, dass die von Bund und Land gewährten Zuschüsse zwar finanziell für die Stadt ein Segen sind, aber den bürokratischen Formalismus und Absprachebedarf enorm erhöhen. Europaweite Ausschreibungen sind bei dieser Auftragssumme ohnehin Pflicht. Auch dieser Aufwand kostet wiederum Geld und Zeit.

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Vor diesem Hintergrund wachsen Zweifel, ob zum offiziell nach wie vor genannten Zeitpunkt 2022 – sprich: im nächsten Jahr! – wirklich schon die Generalsanierung beginnen kann. Zudem weiß man nicht, wie das Publikum reagiert, nachdem es gerade wegen der Corona-Pandemie viele Monate vom Theater, ja von der gesamten Kultur regelrecht entwöhnt wird. Auch das ist ein Unsicherheitsfaktor bei der Generalsanierung.

Redaktion Chefreporter