Reißt euch zusammen!

Tobias Kisling ist verärgert, dass das Startdatum des 49-Euro-Tickets in weite Ferne zu rücken scheint

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Tobias Kisling
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Was waren das für drei Monate im vergangenen Sommer: Die halbe Nation entdeckte plötzlich den Nah- und Regionalverkehr für sich. 52 Millionen Tickets zum Schnäppchenpreis für neun Euro pro Monat wurden verkauft. Wer zu Besuch in einer anderen Stadt war, musste nicht durch den örtlichen Tarifdschungel irren, sondern konnte einfach in die nächste Straßenbahn, U-Bahn oder den Bus steigen. Ob jung oder alt: Viele tingelten zum Meer, in die Berge, ins Umland.

Das 9-Euro-Ticket räumte in seiner bestechenden Einfachheit mit so vielen Problemen auf, die den Regional- und Nahverkehr ausbremsen. Und es wirkte bremsend auf die Inflation.

Umso unverständlicher ist es, dass sich nun die Fortführung als Deutschlandticket immer weiter verzögert. Als würde es nicht ausreichen, dass die Bahn notorisch zu spät kommt – jetzt verspätet sich auch noch die Neuauflage des Tickets, das Bundeskanzler Scholz schließlich als „eine der besten Ideen“ seines Kabinetts gepriesen hatte.

Mit Verspätungen kennt man sich auf der Schiene aus. Geradezu grotesk muten dieses Mal aber die Gründe an. Muss man ein Ticket ernsthaft auf die lange Bank schieben, weil man sich nicht darauf einigen kann, ob es auf Papier gedruckt wird oder digital erhältlich ist? Und mit Verlaub: Ein halbes Jahr Planungszeit sollte für Verkehrsunternehmen und -verbünde genug sein, um ihre Tarifstrukturen anzupassen.

Ja, eine solche Reform kommt nicht von heute auf morgen. Aber für das Schauspiel der gegenseitigen Schuldzuweisungen, ohne in der Sache auch nur eine Schienenlänge voranzukommen, fehlt den Bürgerinnen und Bürgern zunehmend jedes Verständnis.

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