Alexander Klay - über die Folgen einer möglichen dritten Welle in Deutschland Pandemiemüde

Alexander Klay über die Folgen einer möglichen dritten Welle in Deutschland

Von
Alexander Klay
Lesedauer:

Die Sonne scheint! Der Frühling ist da! Lass uns mit den Freunden im Park ein Bier trinken gehen! – Ach, aber war da nicht was?

AdUnit urban-intext1

Deutschland befindet sich noch immer im Lockdown mit strikten Kontaktbeschränkungen und mancherorts auch Ausgangsbeschränkungen. Doch die Menschen sind nach den grauen Wintermonaten pandemiemüde. Sie sehnen sich nach Sonne, frischer Luft und einem Stück weit Normalität. Plötzlich sind die Straßen wieder voll.

Die zurückliegenden Wochen waren für die meisten Menschen eine viel stärkere Belastung als der erste Lockdown im Frühjahr 2020. Die nicht enden wollenden Einschränkungen zehren an den Kräften und an den Nerven. Viele sagen, sie werden nicht mehr richtig wach, fühlen ständig eine lähmende Müdigkeit, sie kommen nicht mehr in den Tritt. Da sind die kräftigen Sonnenstrahlen der vergangenen Tage wie ein Hoffnungsschimmer: Jetzt kommen wir aus dem langen, finsteren Tunnel endlich heraus.

Wem ist es da zu verdenken, die Frühlingsluft genießen zu wollen? Endlich wieder Freunde treffen, mit einem Cappuccino im Pappbecher in der Sonne sitzen, einen Ausflug machen. Die magische Zahl von 35 Neuinfektionen unter 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen ist schließlich in greifbarer Nähe. Und wer hört beim täglichen Dauerfeuer um den aktuellen R-Wert, der Inzidenz sowie Ansteckungs- und Totenzahlen eigentlich noch genau hin?

AdUnit urban-intext2

Fakt ist aber: Die wochenlang gesunkenen Fallzahlen gehen nicht weiter zurück. Es infizieren sich wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus, vor allem auch mit den gefährlichen Mutanten. Wenn heute in den meisten Bundesländern wieder Schulen und Kitas öffnen, die Impfungen weiter kaum vorankommen und die Pandemie-Disziplin weiter nachlässt, ist eines absehbar: Deutschland steuert aus der zweiten direkt in die dritte Corona-Welle.

Für die Wirtschaft, die dringend auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen angewiesen ist, wäre das die Vollkatastrophe. Vom weiter zunehmenden Schaden an der viel zu wenig beachteten psychischen Verfassung der Bevölkerung ganz zu schweigen.

AdUnit urban-intext3

Fassungslos macht dabei etwa die noch immer laufende Debatte, ob Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher bei den Impfungen vorgezogen werden sollen. Hier hätte es längst eine klare Ansage geben müssen: Schulen erst wieder auf, wenn Lehrkräfte sich impfen lassen können!

AdUnit urban-intext4

Stattdessen wird erst gehandelt, dann nachgedacht. Das aber ist unverantwortlich gegenüber Lehrkräften, Familien und der Gesellschaft.

Gefährlich ist auch die Debatte um vermeintlich besseren oder schlechteren Impfstoff. Das führt nur zu Impfverdrossenheit. Klar wäre es schön, wenn es für jeden sofort eine Biontech-Spritze gäbe. Das Vakzin schützt offenbar sehr sicher vor Erkrankungen und Übertragungen, wie neue Untersuchungen in Israel zeigen.

Das viel kritisierte Mittel von AstraZeneca schützt laut Studien zwar nicht ganz so wirksam vor einer Infektion. Wohl aber vor schweren Krankheitsverläufen. Wenn immer weniger Patienten an Beatmungsmaschinen mit dem Tod ringen müssen und sieben von zehn Geimpften vor Infektionen geschützt sind, erfüllt dieser Impfstoff seinen Zweck.

Nur mit dem Einsatz aller zugelassenen Impfstoffe können wir so schnell wie möglich zur Normalität zurückfinden – und der Staat die massiven Einschränkungen der Grundrechte zurückfahren. Um das Virus ganz zu besiegen, steht einer weiteren Impfung mit dem „Ferrari“ unter den Vakzinen nichts im Weg – wenn es diesen irgendwann einmal für alle gibt.

Mehr zum Thema

Corona-Virus Wettlauf gegen die Mutationen hat begonnen

Veröffentlicht
Von
Julia Emmrich
Mehr erfahren

Pandemie Angst vor dritter Corona-Welle wächst

Veröffentlicht
Von
dpa/sba
Mehr erfahren