Neue Hoffnung

Von 
Detlef Drewes
Lesedauer: 

Genau 1207 Tage nach dem Brexit Referendum im Vereinigten Königreich, 927 Tage nach dem offiziellen Austrittsantrag und 20 Tage vor dem ultimativen Brexit-Datum macht ein Freitag noch lange keinen Durchbruch. Dass der britische Premierminister Boris Johnson nicht bei den offiziellen Verhandlungen über ein Abkommen zum Austritt seines Landes aus der EU konstruktive Signale aussandte, passt zum Bild. Bis zur buchstäblich letzten Minute lässt der britische Regierungschef keine Gelegenheit aus, um Freund und Feind zu brüskieren. Nun wählte er offenbar einen Nebenschauplatz bei einem Treffen mit seinem irischen Nachbarn Leo Varadkar, um so etwas wie einen neuen Ansatz einzubringen.

AdUnit urban-intext1

Das passt ins Bild: Schließlich würde es Johnson zum einen erlauben, sich zu Hause als derjenige zu profilieren, der den Brexit zur Zufriedenheit aller möglich gemacht hat. Zum anderen muss er nicht vor dieses „Tribunal“ der EU-Staats- und Regierungschefs treten und dort einknicken. Johnson wird den Kompromiss, wenn er zustande kommt, als Vereinbarung unter Nachbarn darstellen. Doch solche Spielereien dürfen der EU egal sein, wenn nur die Katastrophe eines Bruchs ohne Deal abgewendet wird. Sogar Johnson ist längst klar: Diese Situation würde sein Land schwer beschädigen.

Briten und Europäer sitzen also weiter an einem Tisch – das ist die gute Nachricht. Die Zeit läuft ihnen davon – das könnte heilsam sein. Aber für mehr als nur eine bange Hoffnung gibt es keinen Grund. Das Schreckgespenst eines harten Bruchs ohne Deal schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über London und Brüssel. Der EU-Gipfel nächste Woche könnte zu einem historischen Ereignis werden.

Mehr zum Thema

Brexit EU sagt Ja zu neuen Verhandlungen

Veröffentlicht
Von
Detlef Drewes
Mehr erfahren

Korrespondent

Thema : Brexit

  • Brexit ändert Arbeit internationaler Unternehmen Beziehungen der Region zu Großbritannien bleiben erhalten

    Der Partnerschaftsvertrag zwischen der EU und Großbritannien trat am 1. Januar vorläufig in Kraft. Dadurch ändert sich die Arbeit vieler international agierender Unternehmen aus der Region.

    Mehr erfahren
  • Politik Handelspakt startet am 1. Januar

    Die 27 EU-Staaten haben dem Start des Brexit-Handelspakts mit Großbritannien zum 1. Januar offiziell zugestimmt. Dies bestätigten EU-Kreise am Dienstag.

    Mehr erfahren
  • Politik EU schaltet auf Grün

    Deutschland und die übrigen EU-Staaten haben sich am Montag hinter den Brexit-Handelspakt mit Großbritannien gestellt. Das Bundeskabinett unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Abkommen positiv.

    Mehr erfahren